Aufsatz 
Nur das Christentum führt zu wahrer Humanität / vom ... Ballerstedt
Entstehung
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verwandten Wörter, wie Humaniſten, Humanismus, auch humaniora, mit ihren irgendwie verwandten Bedeutungen gleichſam die hiſtoriſche Brücke bilden. Ob und wie weit es aber mit einem volleren be⸗ ſtimmteren Begriffe verbunden wird, als der Römer mit ſeinem humanitas verband, das hängt natür⸗ lich vor Allem einmal davon ab: ob und wie weit derjenige, der das Wort Humanität gebraucht, alle Elemente, die das weiter entwickelte Leben zur volleren und beſtimmteren Faſſung des Begriffs von Menſchenthum bietet, mit ſeinem Begriffe von Humanität verbindet; und dann ferner davon: ob und wie weit eins von den drei Momenten, die wir in dem Begriffe der alten humanitas oben aufgewieſen haben, in dem Worte Humanität mit ſeinem jedesmaligen Begriffe vielleicht beſonders betont, oder gar völlig einſeitig hervorgehoben und noch dazu mit einer Färbung verſehen wird, die nicht von den geſun⸗ den, ſondern vielmehr von den ungeſunden Elementen des weiter entwickelten Lebens entnommen iſt. Hebt man nämlich in dem Begriffe, den man ſich von Humanität gebildet hat, das erſte Moment in der Bedeutung der alten humanitas: daß alle Menſchen als ſolche weſentlich gleich ſind, mehr oder we⸗ niger einſeitig hervor, ſo bedeutet Humanität mehr oder weniger: das Streben des Menſchen, auf Grund ſeiner weſentlichen Gleichheit mit allen andern Menſchen, alle Unterſchiede, vielleicht ſogar die berechtigt ſten, im Leben der Menſchen aufzuheben, abſtracte Gleichmacherei im politiſchen und ſocialen, character⸗ loſe Bonhomie im geſelligen, wohl ſogar Brutalität im geiſtigen und ſittlichen Leben, in allen ihren ver⸗ ſchiedenen Schattirungen. Hebt man aber unter größerer oder geringerer Beeinträchtigung der beiden andern Momente vorzugsweiſe oder faſt ausſchließlich das zweite hervor, nach welchem das weſentlich Menſch⸗ liche in dem Vorzuge beſteht, den uns»das Bewußtſein«,»das Denken«,der Geiſte, vor allen andern Ge⸗ ſchöpfen giebt, ſo erſcheint die Humanität leicht als ein Intellectualismus, der ſich einbildet, daß allein oder wenigſtens hauptſächlich durch Ausbildung des Verſtandes die höchſte Höhe des wahrhaft Menſchlichen erreicht und das Heil der Welt herbeigeführt werde; oder als ein Subjectivismus und Rationalismus, der ohne rechte Hingabe an die Objectivität des Lebens, an den Geiſt, nur ſeinen Verſtand und ſeine Vernunft zum Maßſtab für alles Leben macht und in ethiſcher Beziehung nur auf ſein Gewiſ⸗ ſen pocht; der vielleicht in blos negativer Kraft ſich gegen Alles wendet, was unmittelbar im Bewußt⸗ ſein der Zeit gilt und heilig iſt, und wohl alle Sittlichkeit in bloßes Meinen und Belieben auflöſt; oder auch wohl als ein äſthetiſcher Idealismus, der es mehr oder weniger zu vergeſſen ſcheint, daß uns der Geiſt wohl frei macht von der Natur, aber nicht los von ihr und von der Beſtimmtheit durch dieſelbe, und der die Macht des Willens nicht zu würdigen verſteht, ſondern ſie zugleich überſchätzt und unterſchätzt. Wird aber das dritte Moment, was wir ſchon in humanitas ſtark hervorgehoben fanden: Bildung, Beſitz möglichſt vieler Kenntniſſe und Fertigkeiten, vorherrſchend oder faſt allein be⸗ tont, ſo findet man die Humanität vorzüglich in wiſſenſchaftlicher oder äſthetiſcher Ausbildung, vielleicht auch ſchon in gelehrter Bildung oder einer gewiſſen Polphiſtorie, oder in polirten, angenehmen Formen der äußern Erſcheinung des Menſchen. In allen dieſen einſeitigen Bedeutungen, die mehr oder weniger in einander übergehn und ſich mit einander verbinden, jedenfalls aber ſeinen wahren Inhalt verdecken und entſtellen, wird das Wort Humanität unter uns gebraucht; und ſelbſt Herder, durch den namentlich die ganze Richtung der Zeit dieſem Worte die allgemeinſte Verbreitung und ſeinen volleren modernen Begriff gab, hebt, wenigſtens in ſeiner Erklärung von Humanität, das erſte Moment des alten humanitas: die Anerkennung, daß allen Menſchen als ſolchen etwas weſentlich Gleiches zukommt, nicht beſtimmter hervor, als es eben ſchon in humanitas, gleichſam in dem abſtracten Begriff an ſich, liegt. Er ſagt nämlich: Humanität iſt die harmoniſche Ausbildung aller geiſtigen und ſittlichen Kräfte des Menſchen, die ihn ſeiner ewigen Beſtimmung immer näher zuführt. Laſſen wir denn das Wort in ſeiner vollſten und höchſten Bedeutung gelten und ſagen: Humanität iſt das Streben des Menſchen,