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angeführte Deutung der Gruppe als Phosphorus und Hesperus durch Maffei, ja selbst die als Castor und Pollux ²⁸) übereinstimmen würde. Auffallend ist es, dass sowohl die schöne Sage von dem nahe verwandten Schlaf und Todtengenius Endymion zu Elis ²⁴), als auch die ältesten Bilder des Schlafes und Todes am Kasten des Kypselos, sowie die Sta- tuen dieser Brüder zu Sparta ²⁵) und die des Schlafes zu Sicyon ²⁸⁹⁸) im Bereiche des Cultus der Here Prosymnaea im Peloponnes vorkommen.
V.
Die Beantwortung der Frage, in welcher Zeit ein plastisches Kunstwerk entstanden sei, über das wir nicht directe Nachrichten erhalten haben, oder bei dem, durch ein Zusammen- treffen günstiger Umstände sichere Combinationen möglich sind, ist immer eine sehr missliche und schwierige ¹).»Selbst die Inschriften, die wir auf ihnen finden, sind nicht immer zuver- lässig. Eben so wenig sichere Folgerungen gestattet die Beschaffenheit des Marmors. Wir wissen zwar, dass im 4. Jahrhundert vor Christo durch Skopas der parische und pente- lische Marmor seinen höchsten Werth erhielt; aber was verhinderte römische Künstler der Kaiserzeit sich Blöcke desselben aus Griechenland kommen zu lassen? Ob der Marmor des Apollo von Belvedere griechisch oder carrarisch sei, darüber ist ohne sicheres Resultat unendlich viel hin und her gestritten worden, während man doch von der Beschaffenheit des Marmors sich Schlüsse auf das Alter des Werks erlaubte.« So herrscht der grösste Widerstreit der Ansichten über die Entstehungszeit der Dioskurengruppe des Quirinal, des Torso des Belvedere, des Laokoon u. s. w., in der die grössten Kunstforscher um zwei bis fünf Jahrhunderte differiren. In einer noch misslicheren Lage befinden wir uns bei unserer Gruppe, von der nicht einmal eine gründliche Untersuchung des Marmors mit Angabe der be- stimmenden Gründe vorliegt. Zwar hat der oben erwähnte Bildhauer den Marmor für Carrarischen erklärt, allein wir müssen diese nicht näher begründete Meinung eben so dahin gestellt sein lassen, wie die apodiktische Behauptung der Originalität und Aechtheit des Antinouskop- fes. Welcker und Raoul Rochette wollen in der Gruppe eine griechische Erfin- dung erkennen, halten sie jedoch für ein Erzeugniss der römischen Zeit, in die sie auch Vvisconti nach dem Character des Idols setzen zu müssen meinte. Allein derselbe Stil des Idols findet sich wie in dem Relief des Phigalischen Apollotempels ²), so auch auf dem ge-
2³) L. Preller, Griech. Mythologie II, p. 66.
24) Ebendas. I, 298.
25) Pausan. III, 18. Plutarch. Cleom. p. 808.
26) Pausan. II, 10.
1) Stahr, Torso 1, p. 68 ff.
2) Stackelberg, der Apollotempel zu Bassä. Taf. 22.


