Aufsatz 
Die Gruppe von San Ildefonso / von Bogler
Entstehung
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schnittenen Stein: Diomedes mit dem Palladium*³) und in pompejanischen Wandgemälden 4) etc. wieder. Mit einiger Bestimmtheit lässt sich wohl aus dem Körper des Jünglings zur Rech- ten auf Benutzung Praxitelischer Motive schliessen; andere Anhaltspunkte möchten aber wohl kaum aus dem Werke selbst gewonnen werden können. Denn die Gestalt des kleinen Altar's kehrt sowohl in den Altärchen, Votivsteinen und auf Grabdenkmälern der römischen Nieder- lassungen am Rhein in Menge wieder, als sie auch, den Hauptformen nach, mit der Stütze des Ouirinalischen Pferdecolosses des Phidias übereinstimmt. Es zeigen aber viele Denkmäler aus der Zeit vor Alexander wie auch die pompejanischen Wandgemälde gerade in solchen Altären, Po- stamenten, Tragsteinen u. s. w. schönere und geschmackrvollere, namentlich runde und geschweifte Formen, während die Zeit nach Alexander häufig einem eben so überladenen Zopfgeschmacke huldigt, wie die trüberen Zeiten der gesunkenen römischen Kunst. Eine solche Ueberladung nun lässt sich in den mit Bändern und Widderköpfen geschmückten Festons des Altars) sowie besonders auch in der auf der Vorderseite angebrachten Blume nicht abläugnen, aber darauf denn doch keinerlei Beweis gründen. Aber auch vermittelst des dargestellten Stoffes, mögen wir ihn von der historischen oder mythologischen Seite oder als künstlerische Aufgabe fassen, werden wir einer Zeitbestimmung nicht näher kommen; denn wie er aus religiösen Gründen oder heimathlichen Anregungen einem argivischen, korinthischen oder sicyo- nischen Künstler näher lag, so konnte er nicht minder zur Lösung eines künstlerischen Problems den Ehrgeiz eines römischen Bildhauers reizen. Begniigen wir uns daher die herr- liche Gruppe in die Zeit jener 500 jährigen Kunstblüthe von Praxiteles bis zum Tode des Kai- sers Hadrian zu verzeichnen, zufrieden damit, in ihr ein Werk zu besitzen, aus welchem uns wie aus den Meisterwerken der schönsten Zeiten hellenischer Kunst jener unvergleichliche Hauch des griechischen Genius mit seinem reizenden Zauber anweht; ein Denkmal nicht minder als das Reliefbild jener Jünglinge im Tempel zu Kyzikus würdig die Aufschrift zu tragen:

0⁰ Ʒ¶νε οσφμς νdε αιιιοs, ddννϑ⁶ε ντιμᷣαστα,

Kudiννμινη ττα³ινν, dσςσνενςι'ον. Hdοναος ⁴ο εένηνꝑ( ν dν⁴οςσm ⁶οο dos, 1 α008 1'σςσιε⁶ εlεμυι⁶ν εέ˙ιεέμννιι πι ον.

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5 Xaloourν d Sνεμοοιοσιννισ ᷣXmjßsεν⁵e, auro! drdes, 7 1 al τ0ν diνο νωυωνε⁵αανοσν νε ⁴υννυ.

³) C. O. Müller, Denkmäler 1, 6.

4) Herculanum und Pompeji von Roux& Barré, Bd. II, 11, 92, 93 fl.

5) Ein ganz auf dieselbe Weise gestalteter und mit denselben Festons geschmückter Altar findet sich bei Winckelmann, Denkmäler. 178.

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