Aufsatz 
Die Gruppe von San Ildefonso / von Bogler
Entstehung
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neben dem körperlichen fortwährend begleitet, und von welchen die griechischen Dämonen ¹¹) sowie die Allegorien oder Personificationen von Eigenschaften, Verhältnissen, Oertlichkeiten u. s. W. leicht unterscheiden lassen, die in der bildenden Kunst mehr als den Hauptgedan- ken des Künstlers erläuternde Nebenfiguren in grösseren Darstellungen und weniger unab- hängig für sich, wie in der römischen Sinnbildnerei auftreten ¹²½²). Aber als Genien des Todes im etruskisch-römischen Sinne durften ihnen wohl kaum die Attribute der Flügel oder eine jener andern prägnanten Bezeichnungen fehlen, wie knabenhafte Gestaltung ¹³⁸), geschlossene Augen, übereinander geschlagene Füsse, angelehnte Stellung mit denen auf hunderten von Darstellungen in etrurischen Grabgemälden und auf Vasen, besonders auch in den Eckfiguren der zahlreichen Reliefs römischer Sarkophage, Cippen etc. sowie in Einzelfiguren ¹⁴) der Ge- nius des Todes und Schlafes erscheint. Und vor Allem ist jenes wichtigste Symbol des To- desgenius, mit dem er überall erscheint, die gesenkte Fackel, doch wohl nur als sinnbild- liche Bezeichnung der Lebensflamme, wie sie auch Lessing, Gerhard, C. 0. Müller, Tieck u. A. erklären, nicht aber als materielles Feuer aufzufassen. Nach Welckers Deutung aber zündet der Genius am Altare seine Fackeln an, um mit ihnen den Scheiterhaufen in Flammen zu setzen. Aber auch das Anzünden der Fackeln am Altar möchte schwer zu er- weisen sein. Ich lege kein Gewicht darauf, dass die Flamme von der Fackel aus an dem Rande des Altars hinzüngelt und nichts von jener in der Mitte des Altars sich erhebenden birn- oder herzförmigen Flamme zu sehen ist, die so viele Denkmäler ¹³⁸) zeigen; aber die Richtung der Fackel hätte dann doch wenigstens nach der Mitte des Altars gehen müssen. Noch weniger indess kann ich seiner Erklärung der zweiten Fackel beipflichten, in der Ger- hard, gewiss eben so unrichtig, eine erhobene Lebensfackel erkennt. Denn nach der Haltung und Gestaltung der linken, bis zur Höhe des Oberkopfes erhobenen Hand, konnte die erfasste Fackel nie eine andere als die über die Schulter zurückgelehnte Richtung gehabt haben; ein Gestus, der eben so wenig eine Erhebung der Fackel als das Anzünden des Scheiterhau- fens, mit dem Welcker»schon die Linke beschäftigt dachte,« vorzustellen vermag. Eine solche Erklärung dieser Bewegung, in welche ja die Hauptbedeutung gelegt ist, wäre mindestens unbestimmt, widersprechend und wunderlich, auch bei dem Grundsatze, dass die leise Art der Bezeichnung in allegorischen Darstellungen von einer rohen unmittelbaren Auffassung der Erscheinung weit entfernt sei. Aber auch die Be-

¹11) Creuzer Symbolik III, p. 719 ff.

1¹²) C. 0. Müller H. d. A. d. K.§. 406.

¹13) Gerhard, Text zu den antiken Bildwerken, p. 259.

¹⁴) Museum Pio Clement. I, 28; III, 44, 45. Beckers Augusteum II, 101.

¹⁵) Mus. Pio-Clement I, 28. Roux und Barré Pompejan. Wandgemälde II. Bd. 68, 69, 130 etc. C. O. Müller Denkmäler der alten Kunst fortgesetzt von Wieseler II, 4, 554, 602, 606 ff.