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gefunden. Der Letztere hat sie im Jahr 1819 in Madrid untersucht und folgendermassen be- schrieben:
„»Der Marmor der Gruppe ist Carrarisch: man sieht augenscheinlich, dass Alles aus einem einzigen Block ausgeführt worden ist. Die Arbeit der Füsse der beiden grossen Figuren, sowie die der Füsse der kleinen, der Altar, die Plinthe und eine kleine Ader, die von dieser über einen der Füsse läuft, lassen keinen Zweifel über diese Wahrheit. Auch durch gewisse sehr kleine Flecken, die von den Rümpfen zu den Gliedern Zusammenhang haben, überzeugt man sich, dass das Werk aus einem einzigen Stück ist. Die Beine und die Arme sind an mehreren Stellen zerbrochen gewesen und dieselben Stücke des Originals sind wieder zusammengesetzt. Ein einziges Stück, der vordere Theil des linken Beins der Figur zur Rech- ten des Betrachters lässt einigem Zweifel Raum. Neu ergänzt ist nur die Nasenspitze und ein Theil der Haupthaare der Figur zur Linken des Betrachters, sowie die Finger, der Daumen und die Zeigefinger der andern Figur: der kleine Finger fehlt. Die Spitze der Flamme, die auf dem Altar ruht, ist neu; die andere Flamme, die auf der Schulter sitzt, ist von Holz. Uebrigens scheint, was Marmor und Arbeit betrifft, kein anderes Stück zu sein, das nicht original wäre. Der Kopf der Figur zur Rechten des Betrachters ist ganz mit dem Rumpf, der unversehrt ist. Der Kopf der andern Figur ist auf den Hals wieder angesetzt: dieser Kopf ist nicht eine Copie des Antinous, es ist das wahrhafte Original: man er- kennt ihn sogleich an der Einheit der Formen und der Arbeit, verglichen mit denen der übrigen Figur, dann weil er von demselben Marmor ist. Die Stücke der Beine und Arme hätten besser angesetzt werden können als sie es jetzt sind. Die Gruppe ist original, und obgleich in carrarischem Marmor ausgeführt, so ist sie sicher das Werk eines der ersten Melster Griechenlands. Der Stil ist einfach, majestätisch und merkwürdig durch eine voll- kommne Gleichmässigkeit in allen seinen schönen Formen. Wenn diese Gruppe nicht unter
die bewundernswerthesten Productionen des Alterthums gesetzt werden kann, so nimmt sie
wenigstens eine ausgezeichnete Stelle unter denen zweiter Ordnung ein.-
Es sind also, wie aus dem Angeführten hervorgeht, zwei Deutungen, in welchen eine grössere Anzahl von Kunstforschern übereinstimmt. Nach der Einen wäre nämlich,(wie Vis- conti, Mongez, Tieck, v. Levezow, Zoëga u. A. mit mehr oder weniger Bestimmtheit behaup- ten) in dem Einen Jüngling der Gruppe ein Antinous zu erblicken; nach der Andern wären die beiden Jünglinge(wie Lessing, Welcker, Gerhard, Raoul-Rochette u. A. glauben) als Hypnos und Thanatos aufzufassen; eine Beziehung auf Tod und Unterwelt wird wenigstens in beiden Ansichten erkannt. 3
Wenden wir uns nun— mit Uebergehung derjenigen Erklärungen, die wie Winckelmams und Maffei's widerlegt sind, oder wie Stackelberg's der weiteren Begründung entbehren, oder wie Herder's, von ihm selbst als zweifelhaft bezeichnet, keinen weiteren Anklang gefunden haben,— zu der Ansicht derjenigen elehrten, welche in dem sogenanntenschlafjüngling unsrerGruppe denAntinous erkennen,


