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aber dieser erscheint hier untergeordnet und als Begleiter, und so ist die gemeinschaftliche Bekränzung gerechtfertigt.« Dieser Deutung Welckers schliesst sich auch Feuerbach, griechische Plastik II. Bd. p. 233, an. E. Gerhard erklärt in seiner Abhandlung„»Ve- nere e Proserpina« dieses Jünglingspaar gleichfalls für Gottheiten des Schlafes und Todes. Er vermuthet, der unterirdischen Göttin werde ein Opfer gebracht, die eine Fackel gehe auf das Leben, die andere auf dessen Erlöschen.» Müssig auf den Bru- der gestützt,« sagt er(in dem Text zu den antiken Bildwerken p. 256),»ist die stark be- schädigte Statue des Schlafjünglings angedeutet, dessen Rechte etwa noch ein Attribut, viel- leicht ein einschläferndes Horn halten mochte. Desto unverkennbarer ist die Statue des To- desjünglings, der mit der Linken eine erhobene Lebensfackel trägt, während er die in seiner Rechten gehaltene, auf den Altar jener Todesgöttin senkt, deren Idol neben ihm steht. Diese Bewegung nach dem Altar, die Welcker auf Anzünden des Scheiterhaufens deutete, findet sich wieder bei zwei andern Todesjünglingen des Vatican etc.-
III.
Mit dieser Deutung Welckex's und Gerhard's, die in dem Hauptpunkte mit Lessing übereinstimmen, hat nun, so viel mir bekannt ist, die Erklärung dieser Gruppe ihren Abschluss gefunden, und es dürfte fast anmassend erscheinen, nach solchen Männern noch einmal mit einer neuen Deutung derselben hervorzutreten. Demungeachtet mag kaum geläugnet werden, dass in den oben angeführten Erklärungen noch Manches unklar und dunkel, noch Manches auf die Annahme der vollkommenen Aechtheit der Figuren gebaut, zweifelhaft, Manches endlich, wenn auch sehr gelehrt nnd geistreich, doch mindestens gesucht und unnatürlich erscheine.
Die Frage, wie weit denn die Gruppe ächt und original sei, hat C. F. Rumohr in der oben erwähnten Schrift behandelt, jedoch ohne das Original selbst zu Rathe ziehen zu können. Er
gelangt zu dem Resultate, dass das Ganze als eine Zusammensetzung verschiedenartiger, ur-
sprünglich nicht zusammengehöriger antiker Theile erscheine; der Körper des Jünglings zur Rechten möge wohl der Torso eines Apollo Sauroktonos, eine schöne Nachahmung des Praxiteles gewesen sein, dem man den Kopf eines Antinous sowie Arme und Beine angesetzt habe; die andere Figur aber zeige die keineswegs löblichen Proportionen der Werke aus den Zeiten der römischen Imperatoren, vorzüglich der des Hadrian, an welche nament- lich der Charakter der Manier des Kopfes erinnere. Diese Bedenken und Zweifel jedoch sind, soweit sie den Kunstwerth der Gruppe betreffen, von dem Bildhauer Tieck ¹) widerlegt, und so weit sie die Originalität der Theile, aus welchen die Gruppe zusammengesetzt ist, in Frage stellen, haben sie in der auf Autopsie gegründeten, übereinstimmenden Beschrei- bung zweier Kenner, W. v. Humboldt's und eines geschickten Bildhauers ihre Erledigung
¹) Vglch. Welcker, p. 382 und 389.


