Aufsatz 
Die Gruppe von San Ildefonso / von Bogler
Entstehung
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einem Antinouskopfe restaurirt. Stackelberg) erklärt die Gruppe für einen priesterli- chen Daduchos nebst einem Eingeweihten mit der Patera bei dem Altar und dem Idol der Göttin Kora. Raoul Rochette ¹⁰), der die Gruppe für ein Werk der römischen Zeit hält, glaubt demungeachtet, dass die mehr oder weniger merkliche Nachahmung der Züge des Antinous und der Formen des Sauroktonos nicht abhalten könne, eine griechische Er- findung zu erkennen. Er ist mit Welcker und Gerhard der Meinung, dass II ypnos und Thanatos in ihr vorgestellt seien, welcher auch Labus in Mailand beipflichtet.»OQuatre- mère de Quincy, der die Gruppe selbst nach dem Abguss in Thon abgebildet, hielt den Kopf für modern und erkannte in den Figuren verschiedenen Stil; auch Zoëga nahm einen Antinous und den Kopf als fremd der Figur und aufgesetzt an.« Eine ausführliche und scharfsinnige Erklärung dieser Gruppe verdanken wir F. G. Welcker, der dieselbe in die Classe der allegorischen Darstellungen setzt. In dem fackeltragenden Jüngling erkennt er einen Die- ner der unterirdischen Göttin, die er durch den Granatapfel und Modius als Proserpina hinlänglich bezeichnet glaubt, beschäftigt seine Fackeln anzuzünden, um sie hinter dem Rücken sofort zu gebrauchen»⸗was dadurch,« wie er sagt,»recht wohl angegeben ist, dass die eine Fackel noch angezündet wird, während die andere schon zurückgewandt ist.« Diese Figur bedeutet,»wie das Uebrige bestätigt, sicherlich nichts anders, als den Genius des Scheiterhaufens, wie wir sagen würden des Grabes, oder vielmehr den Tod unter dem Bilde des Verbrennens der Todten. Der andere Jüngling, welcher in einer ruhenden Stellung an den Dämon der Fackel(wenn man den Namen Dämon oder Genius von einer allegorischen Figur gebrauchen will) sich traulich anschmiegt, und der dadurch als mit ihm vereinigt und eng verbhunden erscheint, ist nothwendig der Schlaf. Auch wenn nicht etwa bei früherer Beschädigung ein Attribut, z. B. ein Mohnkopf oder ein Rhyton mit einem Schlaftrunk verloren gegangen ist, so machte ihn immer die Verbindung mit dem hinlänglich bezeichneten Bruder kennbar. Neben den Fackeln des Scheiterhaufens könnte man vielleicht den Schlaf des Todes vermuthen oder den heiligen, Wie ihn Kallimachus nennt, so dass unter Einen Begriff gefasst das Bild uns sagte, wenn die Flammen die Ge- beine verzehrten, dann ruht der Mensch von Mühen und Schmerzen des leiblichen Daseins, er schläft, wie es in Griechischen Grabschriften häufig ausgedrückt ist sowie im Römischen, in denen wir auch die Namen Somnus aeternalis, perpetualis, auch Somnus schlechthin antreffen; aber richtiger ist es gewiss den natürlichen Schlaf anzunehmen. Bekränzung konnte dem Grab- genius nicht fehlen, da die Todten bekränzt wurden. Der Lorbeerkranz aber, welcher die Brüder schmückt, umgibt als Apollinisch die Vorstellung des Todes mit einer gewissen Heiterkeit. Dem Schlaf an sich oder abgesondert würde ein solcher Kranz nicht zukommen;

*) Stackelberg, Gräber der Hellenen Taf. 69. 1⁰) Raoul Rochette Monum. Inedit. p. 176, 218.