Aufsatz 
Die Gruppe von San Ildefonso / von Bogler
Entstehung
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Mutter sie mit einem blossen Landmann verheirathet hatte.« Lessing,»der gegen Maffei's Deutung eine ganz grundlose Erinnerung macht,«) hält es für nöthig, auf eine neue Auslegung dieses trefflichen Kunstwerkes zu denken und sagt:»Wenn ich den Schlaf(Hypnos) und Tod(Thanatos) dazu vorschlage, so will ich doch nichts, als sie dazu vorschlagen. Augenscheinlich ist es, dass ihre Stellung keinestellung fürOpfernde ist: und wenn die eine Fackel das Opfer anzünden soll, was soll denn die andre auf dem Rücken? Dass Eine Figur beide Fackeln zugleich auslöscht, würde nach meinem Vorschlag sehr bedeu- tend sein: denn eigentlich macht doch der Tod beidem, dem Wachen und dem Schlafen ein Ende. Die kleine weibliche Figur dürfte für die NNacht, die Mutter des Schlafes und Todes zu nehmen sein.« Herder) entgegnet auf Lessings Ansicht:»Noch schwerer ist's, in der bekannten Gruppe der beiden Brüder, die man gemeiniglich Castor und Pollux nennt, den Schlaf und den Tod zu erkennen. Sie sind als Opfernde bekränzt, und vor imen steht der Altar, auf dem die eine Fackel das Feuer anzündet; die andere Figur hat eine Opferschale in der Hand, und nicht beide, sondern Einer hat beide Fackeln. Wo erscheinen nun sonst Schlaf und Tod bekränzt? vor welchem Altare opfern beide? Nenne man irgend welche zwei Heldenfreunde, die ein solches Opfer brachten; den Schlaf aber und seinen Bru- der oder ihre Mutter Nacht nenne man nicht: denn keine Person der dreien ist hier durch ein Symbol kennbar. Ich halte diese schöne Gruppe für ein Opfer an die Hyglea, die durch den Kalathus bezeichnet ist, und lasse den beiden Jünglingen ihre Namen Castor und Pollux, bis sich ein näherer Aufschluss findet; Schlaf und Tod können sie auch nach der Schönheit ihrer Gestalten nicht sein, auf welche nach allen Beschreibungen der Dichter weder der Schlaf noch Tod Ansprüche machen.- Visconti), der Winckelmanns Erklärung gründlich wider- legt hat, W. v. Humboldt, Zoëga, der Bildhauer Tieck und A. halten die Gruppe für die Hinabführung des Antinous in die Unterwelt; eine Deutung, zu der sich besonders Visconti durch die zufällige Aehnlichkeit einiger Züge des Kopfes des Jünglings zur Rechten mit dem Portrait dieses Heros bestimmen liess. Der Fackeljüngling würde nach dieser An- sicht einen Hermes, den Genius des Todes, oder, wie Tieck und C. 0. Müller*) an- nehmen, Hadrians Lebensdämon, die Göttin eine Nemesis vorstellen. Auch Levezow pflichtet dieser Erklärung bei, indem er bemerkt), die Figur zur Reehten sei nach

4⁴) Welcker a. a. 0.

5)Wie die Alten den Tod gebildet? Zur schönen Literatur und Kunst, Th. 19, 5. ) Welcker a. a. 0. p. 381 fr.

7) Müller Handbuch d. A. d. K.§. 203, 3..

8) v. Levezow, Antinous p. 32.