Aufsatz 
Die Gruppe von San Ildefonso / von Bogler
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3

die Brust dagegen wieder mehr ausgearbeitet und von auffallender Aehnlichkeit mit der des Ge- fährten. Der Kopf dieser Figur, welcher mit dem RumpfeEinstück bildet, steht in besse- rem Verhältnisse zu den übrigen Körperformen. Unter dem hohen und scharfen Vorsprung der vollen, dicken, in die Länge gezogenen, nur halb geöffneten Augenlieder, lassen sich wenig gerundete Augäpfel sehen, wodurch das Gesicht einen etwas schläfrigen Ausdruck erhält. Die Augen treten weit heraus, und nur in sehr schmalem Abstand darüber wölben sich schön gezogene Brauen in sanftem Bogen. Die Nase in der hergebrachten griechischen Form, er- hebt sich von breiter Grundfläche mit einer schwachen Wölbung der beiden Seiten zu ei- nem zumal im Vergleiche mit der anderen Figur auffallend breiten Rücken. Der Mund ist wenig ausgearbeitet, ohne besonderen Zug; das Kinn rund und voll. Die Haare, in schönen, kurz abgeschnittenen, wenig gekrausten Locken Ephebenhaar bedecken in dünnen kurzen Lagen das Haupt und einen Theil der Ohren; sie erheben sich jedoch von der Oberfläche des Kopfes kaum um einige Linien. Der Lorbeerkranz, welcher das Haar umgibt, steht sowohl auf der inneren als äusseren Seite über Zoll- höhe von dem Kopfe ab. In der gerade herabhängenden rechten Hand hält der Jüngling eine niedergesenkte Fackel, deren Flamme über den vor ihm stehenden kleinen Altar hinzüngelt; in der hoch erhobenen Linken hat er eine zweite, kürzere Fackel, die mit der Flamme auf dem von der Hand des ihn umschlingenden Bruders freigelassenen schmalen Theile der Schulter so aufliegt, dass man fast ein Herabgleiten von derselben erwarten sollte.

An das linke Bein dieses Jünglings angelehnt, ihm zur Stütze dienend, steht das kleine Idol einer Göttin in dem alterthümlich hieratischen Stile, mit ihrem Postamente 2/10 rhein. hoch. Sie hat ein Fruchtmass Kalathus oder Modius auf dem Haupte, von welchem zwei alterthümlich steife Haarflechten auf die Brust herabfallen. Mit den eng anliegenden Armen, den re- gelmässig steifen parallelen Gewandfalten, den dicht nebeneinander stehenden Füssen, in der er- hobenen Rechten einen Apfel haltend, während die Linke das Gewand erfasst, erinnert sie leb- haft an die Steifheit der ägyptischen Bildwerke oder der altgriechischen Götteridole, wie sie so viele Münzen, Reliefs, Vasen und Wandgemälde oder auch jene Göttinnen zeigen, welche die Akroterien des äginetischen Tempelgiebels krönen. Die Starrheit des ägyptischen Stils in diesem Götterbilde ist von um so grösserer Wirkung, weil neben ihm die schönen Körper der beiden Jünglinge fast wie lebendige Wesen erscheinen.

Vor den Jünglingen steht ein kleiner, fusshoher, Viereckiger Altar, um welchen sich mit Bändern geschmückte Kränze, an kleinen Widderköpfen unter den Ecken des Gesimses aufgehängt, winden. Auf der vordern Seite, zwischen dem Feston und dem Gesims ist eine sechsblätterige Blume angebracht; der ganze Altar verräth einen überladenen, gesunkenen Ge- schmack.

In der Gruppe ist weder durch Stellung noch Geberde irgend welche Manlunr oder