Aufsatz 
Beitrag zur Kenntniss der Fische der unteren Maingegend / von Oskar Böttger
Entstehung
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Räume enthalten je einen Otolithen, der hintere den kleineren, der vordere den grösseren.

Die meisten Fische besitzen drei Paar Otolithen, von denen ein Paar sich im vordersten Winkel des Vorhofs befindet; zwei Paar sitzen in den Taschen des Sackes. Die Steine des Vorhofs sind gewöhnlich, aber nicht immer, die kleinsten. Bei Cobitis sind sie z. B. am grössten.

Die sehr an die Zahnsubstanz der höheren Thiere erinnernde Masse der Steine, die sie zur Erhaltung selbst in alten Tertiärschichten so vor- züglich eignet, hat bei vielen Arten Farbe, Härte und Zerbrechlichkeit des Porzellans. Die Form der Gehörsteine ist höchst mannichfaltig. Die meisten sind flach und haben das gemeinsam, dass sie auf ihrer Innen- seite meist oben einen hufeisenförmigen Eindruck oder eine oder zwei von vorn nach hinten laufende eingegrabene Rinnen(Wurmrinnen m.) zeigen, in welchen die Verzweigungen des Gehörnerven festsitzen. Der im Vorhof eingeschlossene Otolith(lapillus) ist gewöhnlich dick und glatt, der grössere Stein im Sacke(asteriscus) flach und viel häufiger mit den obengenannten Furchen durchzogen, der kleinere(sagitta) sehr gewöhn- lich lang gestreckt, nach vorn spitzer als nach hinten ausgezogen und sehr zerbrechlich. Die im Sack eingeschlossenen Steine haben oft an ihrem unteren und hinteren Rande mehr oder weniger deutlich ausge- prägte Zähnchen, die selten nur an dem Steine des Vorhofs zu treffen sind.

Diese Gehörsteine dienen jedenfalls einfach als Resonanzböden und haben ganz sicher nicht die Funktion der Gehörknöchelchen höherer Wirbelthiere, welche bekanntlich als Hebelvorrichtungen aufgefasst wer- den, die den das Trommelfell in Schwingungen versetzenden Schall auf die Gehörnerven zu übertragen haben.

Hinsichtlich der Aufstellung von Zahlenformeln für Schlundzähne, Beschuppung und Flossenstrahlen habe ich mich ganz den Regeln Sie- bold's(a. a. O. S. 45) angeschlossen. Erwähnen will ich nur, dass es besonders bei jüngeren und kleineren Fischen mitunter seine Schwierig- keiten hat, die Zahl der Schlundzähne zu bestimmen, da diese nicht selten nur lose aufsitzen, beim Herausnehmen der Schlundknochen abbrechen und dann als accessorische Schlundzähne, wie sie bei den meisten Cypri- niden aufzutreten pflegen, aufgefasst werden könnten. Abgebrochene Schlundzähne, die im Maule selbst nicht mehr aufzufinden waren, habe ich übrigens in den folgenden Formeln niemals ergänzt, so dass in der Aufzählung wol bei einzelnen Arten ein Zahn zu wenig, niemals aber einer zu viel aufgeführt sein möchte.

Ich will die hier vorkommenden Fische in derselben Reihenfolge aufzählen, wie es Siebold in seinen Süsswasserfischen Mitteleuropa's thut, die hier gebräuchlichsten Volksnamen, soweit sie mir bekannt wur- den, hinter dem wissenschaftlichen Namen in Klammern beifügen und an die einzelnen Spezies meine etwaigen Bemerkungen knüpfen. Einzelne Arten, welche mein langjähriger Führer und Lehrer auf dem Gebiet der heimischen Naturgeschichte, Herr C. Jäger, in seinem Verzeichniss der Fische der Wetterau(Abh. aus d. Gebiet d. Wett., Hanau, 1858) auf- führt, habe ich, da sie offenbar nur Varietäten oder Züchtungsresultate darstellen, bei der folgenden Aufzählung weggelassen.