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Ich musste mir also mein Material selbst schaffen. Beiläufig sammelte ich ein Paar Jahre hindurch die mir vorkommenden Fische und untersuchte sie auf ihr Gehörorgan, Zahl, Lage und Form der Ge- hörsteine. Besonders Herr Mühlenbesitzer Kretzer in Mühlheim a. M., der dem hiesigen Verein für Naturkunde eine sehr schöne Sammlung von Fischen zum Geschenk gemacht hat, unterstützte mich in uneigen- nützigster Weise durch ein sehr bedeutendes Material aus seiner Samm- lung, sowie durch werthvolle Mittheilungen, wofür ich ihm hiermit öffent- lich meinen Dank auszusprechen nicht unterlassen will.
Einer solchen Untersuchung musste aber unter allen Umständen eine richtige Bestimmung der Spezies vorausgehen, und notierte ich mir daher jederzeit gewissenhaft die etwaigen Abweichungen von den von E. v. Siebold in seinen„Süsswasserfischen von Mitteleuropa, Leipzig 1863“ aufgestellten Flossenstrahl- und Schlundzahnformeln.
Aus solchen beiläufigen Notizen sind die nachfolgenden Aufzeich- nungen entstanden. Man wird in denselben eine Menge von hier vor- kommenden Fischen mit wenig mehr als dem nackten Namen versehen finden; die Ursache davon ist, dass mir dieselben hier bis jetzt nicht zu Gesicht gekommen sind, obgleich sie desswegen durchaus nicht selten zu sein brauchen.
Für die Untersuchung des inneren Gehörs hatte ich vor allem Anhaltspunkte an den Arbeiten E. H. Weber's, besonders in seinem „de aure et auditu hominis et animalium aquatilium, Leipzig 1820.“ Er theilt dort(S. 13) die Fische nach ihren Gehörwerkzeugen ein
1) in solche, denen halbzirkelförmige Kanäle und Otolithen fehlen, und die blos mit einem häutigen oder knorpligen Vorhof ausgerüstet sind, der von der Gehirnhöhle getrennt ist(Petromyzon);
2) in solche, deren häutiger Vorhof mit drei halbzirkelförmigen Kanälen und einem häutigen Sacke verbunden ist und entweder in seiner oder in des Sackes Höhlung oder in beiden einen oder mehrere Otolithen einschliesst, die eines eigenen knorpligen oder knöchernen Vorhofs aber entbehren(alle Teleosteer, Branchiostegier und einige Chondropterygier);
3) in solche, deren Gehörorgane von der Schädelhöhle entfernt von einem eignen knorpligen Vorhof eingeschlossen sind(Rochen und Haie).
Bei einzelnen Fischen, deren häutiger Sack sehr grosse Otolithen enthält, bläht sich die Basis des Hinterhauptsbeines wie eine knöcherne Blase auf, so bei den von mir untersuchten Arten der Percoiden und Gadoiden. Bei allen Cyprinen, mit denen wir es in den nachfolgenden Aufzeichnungen wesentlich zu thun haben, auch bei Silurus und Cobitis ist dieser häutige Sack in der Basis des Hinterhauptsbeines versteckt und von dem Vorhof entfernt, kommuniziert aber mit ihm durch einen engen Gang, der am hinteren Theil des Vorhofes einmündet.
Der Sack ist bei unseren meisten Fischen durch eine mittlere Scheidewand in zwei Theile getheilt und zwar in der Art, dass der vordere und äussere Raum viel grösser ist, mit dem dann der hintere und innere Theil wie ein kleines Anhängsel verbunden erscheint. Beide
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