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geistigen Austausch zu vermitteln. Je inniger und ergreifender diese Tonsprache, desto intensiver der Eindruck auf das Gemüth. Daher machen die hervorragenden Tonschöpfun- gen der grossen Meister aller Zeiten, die aus der Tiefe der eignen Empfindung geschöpft sind, eine weit mächtigere Wirkung auf das Gemüth als diejenigen Werke, welche durch blosse äussere Klangschönheit, interessante rhythmische oder süsslich melodische Formen auf Erregung einer sinnlich angenehmen Empfindung abzielen. Wie wir die Poesie nur in ihren besten Erzeugnissen der Jugend vorführen, so darf die Tonkunst auch nur in ihrer edelsten Form in der Schule erscheinen; sie muss alles Gemeine und Krankhafte, alles, was eine weichliche Ueberschwänglichkeit, Schwelgen in Gefühlen oder Zerflossenheit des Gemüthes hervorrufen könnte, ausschliessen. Nur im Gewande der Klassicität kann sie ihren Beruf als Bildnerin des ästhetischen, moralischen und religiösen Gefühls erfüllen. Aesthetische Bildung ist aber ein Hauptziel, welches der Gymnasialunterricht sowohl auf dem Wege des Begriffs, durch die Lectüre der römischen, griechisehen und deutschen Clas- siker zu erreichen strebt, indem er die äussere Form des Sprachgewandes, der Fügungen der Sätze und Perioden, des rhythmischen Tonfalls der Verse und den idealen Inhalt der poetischen Werke in Betracht zieht, als auch durch lebendige, unmittelbare Anschauung des Schönen in der Kunst selpst. Ausser der Sprache hat die Kunst noch zwei Mittel der Darstellung, ein hörbares, den Ton, und ein sichtbares, die äussere Form. Tonkunst und bildende Kunst gehören darum nothwendig zum Ganzen der ästhetischen Bildung. Mit dem Schönen steht aber das Sittliche in der innigsten Beziehung, denn das Sittliche erscheint in seiner Voliendung in der Form der Schönheit. Die Bildung zur Sittlichkeit geht jedoch nicht bloss aus der Erkenntniss des Guten hervor, sondern der Mensch muss das Sittliche auch als etwas Schönes empfinden, durch Gemüth und Gefühl zur sittlichen That getrieben werden, ehe noch der kalte Verstand seine Betrachtungen angestellt hat. Energie der sittlichen Handlung, Begeisterung für ein sittliches Ideal ist aber ohne grosse Innigkeit und Lebendigkeit des Gefühls nicht denkbar, und diese vermag kaum ein anderes Mittel so rasch und in so hohem Grade hervorzurufen, wie die Musik. Wie mit Zauber- gewalt versetzt sie uns in eine sittliche Stimmung, regt zu begeisterter That an. Gerade an diese sittliche Macht der Tonkunst knüpfen sich ihre wunderbaren Wirkungen, von welchen Sage und Geschichte erzählen. Rohe, barbarische Horden werden durch sie zur Menschlichkeit bewegt, ihre Klänge entflammen zu ehrenvollem Kampfe, zu ruhmvoller Auf- opferung für Fürsten und Vaterland. Zu allen Zeiten religiöser oder politischer Auf- regung, wenn es den Kampf um ein Ideal galt, das die ganze Innerlichkeit und Energie des Gefühlslebens in Anspruch nahm, hat die Begeisterung in Liedern und Gesängen ihren Ausdruck, ihr Symbol gefunden. Daher rühren die magischen Wirkungen des Roland- liedes, der Gesänge der Kreuzfahrer, der Hussiten, des Schutz- und Trutz- liedes der Reformation, der Gesänge der französischen Revolutionszeit, der Freihceitskriege etc, daher die gewaltige Wirkung aller Nationalgesänge. Darum ist
auch insbesondre das deutsche Volkslied, in dem sich die ganze Subjectivität unsrer Nation


