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„du wirst verkauft“.„Du wirst kommen“ lautet véniès, nicht, wie man gewöhnlich hört, véniés, eine Form, die zwei Fehler in der Aussprache enthält, aber keine Bedeutung besitzt. Wem venio gelehrt wird, der hat auch das Recht, zu sagen pervénis etc. Mit gewohnter Nachlässigkeit wird gelesen veniebat, ja sogar venjebat statt des richtigen vén-i-ébat. Der Imperat. Praes. heisst véni, nicht veni, welches Perfekt ist. Wieviel derjenige, welcher über eine richtige Aussprache des Lateinischen verfügt, im sicheren Verstehen lateinischer Poesie vor anderen voraus hat, leuchtet wohl gerade nach den zuletzt angeführten Fällen jedem ein.
Die dritte Konjugation stellt natürlich ein ganzes Heer von Aussprachefehlern. Zu sprechen ist légo(cf. griech. légo), nicht légo, welches von léegare kommt und bedeutet „ich schicke jemand als Gesandten“. Von diesem Verbum ist abzuleiten legatus, von légo hingegen das Subst. légio.„Du liest“ heisst légis, dagegen lêégis„des Gesetzes“. Der Imperat. Praes. Act. heisst légé, nicht legé„durch das Gesetz“. légit„er liest“ ist zu trennen von legit(Perf.), émit„er kauft“ von emit(Perf.) Das Supinum lautet, wie aus griechischen Inschriften genügend hervorgeht, emptum, ebenso von sumo, sümptum. Das Verbum simplex zu constituo ist zu sprechen stätuo, von conträho träho. Von düco kommt dücis, nicht dücis, Genet. sing. von dux. Von diesem Worte lautet der Nom. plur. dücès, nicht duces „du wirst führen“. Umgekehrt verhält sich das Verbum régo zu Formen von rex. Die Verbalformen régis, régés, régé, régi sind in der Aussprache deutlich von den zum Subst. rex gehõrigen Kasus regis, reges, rege, regi zu unterscheiden. Genau auszusprechen sind von vornherein: dico, dixi, dictum, dicere— duco, düxi, düctum, dücere— träho, traxi, träctum, trähere.— scribo, scripsi, scriptum, scribere.— sumo sümpsi, sümptum, sümere.— iungo, iunxi, iünctum, iüngere. Das Kompositum von iungo lautet côniüngo, das Subst. cöniunx.
Es könnte scheinen, als bereite die genaue Aussprache hier Schwierigkeiten; das ist aber, wie die Praxis lehrt, nicht der Fall. Im Gegenteil, es wird genau in derselben Zeit, in der die falche Aussprache gelernt wird, auch die richtige gelernt. Ein häufiges im Chor sprechen lassen von dico, dixi, dictum, dicere und ähnl., was man so wie so tun lassen muss, um die Formen dem Schüler beizubringen, erleichtert die richtige Aussprache ungemein und beseitigt Fehler wie dixi, düxi, sümpsi u. a. m. für immer.
Hiermit mõöchte ich meine Zusammenstellung von den häufigsten Fehlern in der Aus- sprache, welche gleich im Anfangsunterrichte den Schülern aufgetischt zu werden pflegen, schliessen. Sind die Schüler an eine sorgfältige, richtige Aussprache des Lateinischen ge- wöhnt worden, so kann man in den folgenden Klassen getrost auf dem so gelegten sicheren Grunde weiter bauen. Der eminente Gewinn wird sich bei Beginn der lateinischen Poesie deutlich zeigen. Auch das Lesen lateinischer Prosa wird aus dem Gemisch lateinischer Formen mit deutscher Aussprache in die künstlerische Sphäre eines color Latinus erhoben werden.
Es ist selbstverständlich, dass der sonstige Unterricht des Lateinischen in keiner Hin- sicht durch das aufmerksame Pflegen einer richtigen Aussprache leiden darf. Dies ist aber auch gar nicht zu befürchten, ja man kann trotz der Pflege einer genauen Aussprache schon Mitte Februar mit dem Pensum, einschliesslich der ständigen Repetitionen während des Jahres, fertig sein.
Schwer ist die Lösung der Aufgabe nicht, sie erfordert aber unbedingt Energie, die immer nötig ist, wenn es gilt, ein seit langer Zeit eingewurzeltes Uebel zu bekämpfen. Ich will natürlich nicht das Verlangen stellen, dass jeder Lehrer des Latein Inschriften und Plautus studieren soll, wiewohl ein intensives sprachliches Verständnis ohne Kenntnis der Inschriften heute kaum möglich ist. Wohl aber muss man in der Hand eines jeden Lehrers der lateinischen Sprache die Hilfsmittel voraussetzen, in denen er sich schnell über die richtige Aussprache unterrichten kann. Ich empfehle ausser den bekannten grossen Grammatiken von Lindsay, Stolz und Sommer das bereits erwähnte mit einer Vorrede von F. Bücheler versehene Buch von A. Marx, Hülfsbüchlein für die Aussprache lateinischer Vokale in positions- langen Silben, Berlin 1901. Dieses sollte jeder Lehrer des Lateinischen besitzen, auch sollte es in der Bibliothek des Lehrerzimmers eines jeden Gymnasiums zu finden sein. Es muss nur einmal gründlich angefangen werden, mit der alten Aussprache aufzuräumen. Die Erfolge


