Aufsatz 
Ueber die Notwendigkeit, unsere Schüler von vornherein zu einer korrekten Aussprache des Lateinischen anzuleiten / Amelung
Entstehung
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Von den Pronomina verlangen mèéus, tůus, süus, der Dat. plur. nobis, vobis, der Nom. sing. im Mask. hic- Neutr. höc(beides noch falsch im Ostermann u. a.), Genet. Sing. Sius, Dat. Ei, Acc., Sum, Séam, Nomin. sing. des Femin. éädem, Neutr. idem, aber Mask. idem, das Relativum im Gen. sing. cülüs, ebenso hülüs, cüi wie hüic eine sorgfältige Aussprache, um nicht beim Lesen von Versen Anlass zu Fehlern zu werden.

Unter den Zahlwörtern erwähne ich die falsche Aussprache von duo, quinque, quintus, quärtus statt düus, quinque, quintus, quartus. Zur Feststellung einer argen Gedankenlosigkeit führt die Aussprache decem. Ist es eines denkenden Menschen würdig, zu lesen decem und dann in demselben Atemzuge undécim, duõdécim, trédécim etc.) Was für ein Bild muss der Schüler von der Bildung solcher Zahlen bekommen? Im günstigsten Falle gar keins. Es sei erwähnt, dass das i der drittletzten Silbe von viginti immer noch lang ist, vergleiche griech. eikosi, Fikati. Die Endung ginta in den Zehnern ist stets lang. Zu lesen ist also quinquãginta, quingenti, séscenti, mille wie milia.

Kein Gebiet der lateinischen Grammatik bietet naturgemäss eine solche Fülle von Bei- spielen fehlerhafter Aussprache als wie das der Konjugation, von ester ist an bis legit resp. véenit als Praesens. Man sollte es heute doch für unmöõglich halten, in der Aussprache sster ist und ester isst zu verwechseln. Würdig schliesst sich es statt ésdu bist an. Im Perfektum lässt man die Aussprache füůi unbeanstandet durchgehen, während man sich über interfüi, defüi etc. entsetzen würde. Was aber ist natürlicher, als dass ein Schüler, der stets füi zu sagen gewohnt ist, mit richtigem Gefühl nun auch interfüũi, defüi etc. betont? Lässt man die falsche Aussprache éräs statt éräs sich gefallen, so darf man sich auch nicht wundern, wenn man später zu hören bekommt laudaverâs, laudavissés statt des richtigen laudavéras, laudavissées.

Bei den 4 Konjugationen zähle ich folgende Fehler in der Aussprache auf: laudäs ,delés audis statt des richtigen laudâs, deles, audis; ebenso ist zu sprechen laudes, deleàâs etc., laudarées, delerés etc. Im Imperfektum Activi aller Konjugationen achte man in der I. und II. Person Pluralis auf genau Aussprache des à, resp. in der drittletzten Silbe, laudäbamus, deléebamus, legebamus, capiebamus, audiebamus, ebenso in den entsprechenden Formen des Passivs und in ähnlichen. Von Verben der I. Konjugation seinen genannt: migro statt des richtigen migro, võco statt võco, castigare statt castigare. Eine Ausprache wie remigro, convôco, câstigo, die aus jener falschen natürlich hervorgeht, würde wohl jeder zurückweisen.

Bei der II. Konjugation lässt man sich ruhig gefallen téneo und häbeo, während man sich über contines, continet und ähnliches prohibes prohibet und ähnliches wundern würde. Auf solche Weise wird besonders die Aussprache von Verba simplicia im Vergleich zu den Verba composita vernachlässigt. Es ist zu sprechen pärémus wir gehorchen, dagegen pärsmus wir mögen bereiten, pläcét von pläcére aber placet von pläcare. Wie wohl meistens richtig gesprochen wird stüdere mit kurzem ü, weniger häufig schon stüduerunt, so verlangt auch das Subst. stüdium anstatt des GermanismusStüdium. Ferner unterscheide man cäre entbehre(bei Dichtern infolge des bekannten Jambenkürzungsgesetzes cäré zu messen) von caré, dem Vokativ von cärus.Er schadet heisst nécet, was jeder von der Betonung innõcens her wissen sollte.

Von Nachlässigkeiten, welche in der Aussprache von Verben nach der IV. Konjugation besonders häufig zu beobachten sind, führe ich an erüdio statt érüdio vom Adjektivum rüdis. Daher ist zu sprechen érüdit, érüdiunt statt des meistens gehörten erüdiunt und des nach diesem ganz falsch gebildeten erüdit. Es muss nach der Etymologie von cüstos gesprochen werden cüstõdio, impédio von pédis.Ich weiss ist weit und breit bekannt als scio, was jeden nachdenkenden Menschen zur Aussprache nescio veranlassen würde. So wenig man aber jemals hört nescio, audio, ebenso wenig darf man auch sprechen scio, sondern nach audio, néscio: scio. Man sieht, dass bei solchen Dingen das Denken durch Abwesenheit zu glänzen pflegt, sonst wären so üble Fehler wie scio, impédio etc. unmöglich. Ein grosses Feld für die fehlerhafte Aussprache bieten die verschiedenen Formen von vénio statt des allgemein üblichen venio. Es heisst in der zweiten Pers. Sing. Praes. Ind. vénis, nicht venis