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Aslä ést térrä, desgl. Satz 5: Sicilla ést insülä. Der Schüler wird auf die Frage, ob ihm nicht in der Aussprache von Europa und Asia im Vergleiche zu derjenigen beider Wörter im Deutschen ein Unterschied aufgefallen sei, unschwer die richtige Antwort geben. Man gehe dann zu Satz 4 über, der Schüler wird selbst den Unterschied des latein. Itälia vom deutschen Italien finden. In Satz 5 lernt er die richtige Aussprache des Wortes insula; er findet von selbst, dass hier die Verschiedenheit in der Aussprache des latein, und deutschen Wortes gerade im umgekehrten Verhältnis zu der in Satz 2 u. 4 erwähnten steht. Von Stück 1 sind noch besonders die Wörter déa und béstia hervorzuheben. Dass ein Schüler, der gleich von Anfang an vom Lehrer keine andere Aussprache zu hören bekommt als die richtige, jemals in die Lage kommt aquilà oder gar äquila im Nom. sing. zu sagen, halte ich für ausgeschlossen.
Hat der Lehrer so mit höchster Sorgfalt Stück la mit den Schülern geübt, so werden die Hauptsachen zusammengefasst. Jetzt lässt man ihn die lateinischen Betonungsregeln folgendermassen selbst ableiten. An die Tafel wird geschrieben:
Eurõpa Xsia Diana Itälia
Frage des Lehrers, nachdem dieser selbst und die Schüler im Chor die Wörter gelesen
haben: Wie viele Silben hat jedes der 4 Wörter?
Schüler: 3 Wörter haben je 3 Silben und 1 Wort hat 4.
Lehrer: Welcher Unterschied in der Betonung fällt euch zwischen den links und rechts stehenden Wörtern auf?
Schüler: Bei den beiden links stehenden Wörtern betone ich die vorletzte, bei den rechts stehenden die drittletzte Silbe.
Lehrer: Welchen Unterschied findet ihr in dem Vokale der vorletzten Silbe der links stehenden Wörter von denen rechts?
Schüler: In Europa und Diana ist die vorletzte Silbe lang, und in Asia und Italia ist sie kurz.
Lehrer: Seht euch genau die Silbe an, die betont wird! Die wievielt letzte betont ihr in Europa und Diana.
Schüler: Die vorletzte.
Lehrer: Und in Asia und ltalia?
Schüler: Die drittletzte.
Lehrer: Wer leitet mir jetzt die Betonungsregel ab?
Schüler: Wenn die vorletzte Silbe im Latein. lang ist, so wird sie betont; wenn sie kurz ist, wird sie nicht betont.
Lehrer: Sondern welche Silbe wird dann betont?
Schüler: Die drittletzte.
Lehrer: Wir haben in jedem der 4 Wörter mehr als 2 Silben. Für wievielsilbige Wörter gilt also die bereits gesagte Regel?
Schüler: Für mehr als zweisilbige Wörter.
Der Schüler sagt nun die Regel: Wenn in mehr als zweisilbigen Wörtern im Latein. die vorletzte Silbe lang ist, so wird sie betont; wenn sie kurz ist, so wird die drittletzte betont.
Der Lehrer schreibt an die Tafel:
alã dèà uvã aquã
Die Betonungsregel für die zweisilbigen Wörter findet der Schüler selbst. Ausnahmen von dieser Regel brauchen in der Sexta noch nicht erwähnt zu werden; der Lehrer muss aber die Schüler mit ihnen bekannt machen, sobald solche vorkommen, damit man nicht, wie das heute gang und gäbe ist, die gleichen Fehler in der Betonung bei Lehrern und Schülern durch sämtliche Klassen des Gymnasiums hindurch zn hören bekommt. 4


