Aufsatz 
Ueber die Notwendigkeit, unsere Schüler von vornherein zu einer korrekten Aussprache des Lateinischen anzuleiten / Amelung
Entstehung
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Ueber die erste der von mir aufgestellten Forderung(S. 3) kann ich mich kurz fassen. Die Aussprache des c vor e- und i-Vokalen wie z(ts) ist erst im 5. oder 6. Jahrhundert nach Chr. entstanden Vgl. Lindsay, die latein. Sprache S. 97 und 98, Seelmann a. a. O. S. 332 ff., Stolz, latein. Grammatik S. 24, Sommer, a. a. O. S. 28, 29, 197 ff. Also ent- spricht unsere übliche Aussprache nicht derjenigen der klassischen Zeit. Die Assibilierung (d. h. der Lautwandel von t zu z(ts)) des t vor folgendem i-Vokal begann nicht vor dem 4. Jahrhundert nach Chr. und ist erst im 5. und 6. Jahrh. nach Chr. abgeschlossen. Der erste ganz sporadisch vorkommende inschriftliche Beleg für die Assibilierung stammt aus dem 2. Jahrhundert nach Chr., C. J. L. XIV, 246, VII, 1. Lindsay, a. a. O. S. 94, 95, 96. Sommer, a. a. O. S. 223 225. Stolz, a. a. O. S. 24. Seelmann a. a. O. S. 323. Für die klassische Zeit ist als Aussprache vont und i vor Vokalen ti anzusetzen. Der Uebergang in zi(tsi) erfolgte erst zu derselben Zeit, wie die Palatalisierung des c vor hellen Vokalen, nämlich im 5. oder 6. Jabrhundert nach Christo. Diese Tatsachen stehen völlig fest,cC war auch vor e- und i-Vokalen bis ins 5. Jahrhundert nach Christo k-Laut, ti im Wortinnern vor Vokalen, z. B. nuntius, ist überall ti, nicht tsi zu sprechen. K. Brugmann, vergl. Grammatik der idg. Sprache, Bd. I, S. 83 und 84. K. Brugmann, kurze vergl. Gramm. etc. S. 48, 160, 224. P. Giles, vergl. Gramm. der klass. Sprache, S. 90, 91. Was ist es für eine Torheit zu sprechen

mit k: aber mit c: corona cena amicus,-o,-um amici,-e,-is iocus ioci scutum Scipio acris, acre acer Lakedaimonioi, griech. Lacedaemonii mercator merces neco etc. necem etc. voco etc. vocem etc. exercui exerceo, exercitus placui placeo, placebam licuit licet duco ducis, ducit etc. ducamus ducimus ducatis ducitis

und wieder mit c=k: ducant und ducunt; aähnlich dico, vinco u. a.

Eine derartige Aussprache bewirkt nur eine völlige Trübung des Wortbildes; durch die Aussprache des Komparativs fortsior wird die Ableitung und Bildung des Komparativs geradezu erschwert, und es werden falsche Bildungen wie turpsior und ähnliche zu Tage gefördert, während solche Unformen ganz unmöõglich sind, wenn richtig for-ti-or, tris-ti-or gesprochen wird. Zu sentio, gesprochen sentsio wird noch in oberen Klassen der Infinitiv sensire gebildet, zu patior, gespr. patsior, patsitur und patseris, auch dann noch, wenn auf capior, caperis, capitur aufmerksam gemacht ist.

Ist also aus verschiedenen Gründen eine Reform in der Aussprache des Lateinischen dringend nötig, so entsteht die Frage, wie wir in der Praxis unsere Schüler von vornherein am besten zu einer akkuraten Aussprache des Lateinischen anleiten. Hierfür will ich im Folgenden einige Winke geben, die sich auf den Anfangsunterricht beziehen, der auch hier wie so oft von der höchsten Wichtigkeit ist.

Der Unterricht beginnt mit dem Vorlesen des ersten lateinischen Satzes des Stückes la aus Ostermanns Uebungsbuch für Sexta: Europä ést térrä. Wenn dor Satz von den Schülern zu wiederholten Malen nachgesprochen, vom Lehrer übersetzt, und die Uebersetzung auch von den Schülern wiederholt ist, behandle man ebenso den zweiten lateinischen Satz: