Aufsatz 
Hat die lateinische Sprache einen Optativus? / [Friedrich Börsch]
Entstehung
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men im Conjunctivus zugeschrieben werden, als die Mutter selbst hat, und auf der andern der Tochter eine der schön- sten Eigenschaften der Mutter, Uer Optativus nämlich, ent- zogen wird.

Zuletzt muſs ich mich noch auf die alten Römischen Grammatiker berufen. Sind sie hier auch ohne alle Aucto- rität, haben sie aufserdem noch eine sehr beschränkte An- sicht von diesem Modus, dem sie bald mehr, bald weniger Tempora zuschreiben; so sprechen sie doch alle ²) von ei- nem Optativus: Beweises genug, daſs diese Ansicht damals allgemein gewesen. Sollten etwa solche Stellen Hrn. Super- intendent Gludius in Hildesheim bewogen haben, den Opta- tivus in die Lateinische Conjugation wieder aufzunehmen 13) 2

12) Diomedes ap. Putsch. S. 330 f. 344. 346 f. 350 f. Charisius

S. 225, 1445 151. Priscianus de octo part. L. 8. 8. 807, 821. L. 18. S. 1140 ff. 1147, 1150 f. 1157. Partit. vers. I. II. S. 1229 l. V. S. 1245 l. VI. S. 1248 u. v. a. Valerius Probus de Gener. S. 1314, 1412 ff. Asper Jun. 8. 1731. Donatus S. 17544. Ser- vius S. 1787 u. 1791. Cledonius S. 1870 ff. 1914. Maximus Victor S. 1748. Augustinus S. 1996. 2002 ff. Consentius S. 2061. Alcuinus S. 2009. Macrobius S. 2757. Isidor. Orig. I. 8. p. 827. Ed. Godofr. Priscian, Servius u. a. rechnen das Prä- sens Conj. als Opt. Futuri hinzu, führen aber dieselbe Tempora auch unter dem Conjunctivus wieder mit auf. Warum aber die Formen vervielfältigen, oder verschiedenen Temporibus gleiche Formen er- theilen, da sich das Ganze gut erläutern läſst?

15) Athenäum v. Günther u. Wathsmurh. B. 2. H. 1. S. 147.