Aufsatz 
Hat die lateinische Sprache einen Optativus? / [Friedrich Börsch]
Entstehung
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nens und Sollens, verschiedene Tempora nach vorhergegan- genen Präsens, Präteritum und Futurum anwendet, und mit der Griechischen übereinstimmt. Bröder liefert§. 486 518 die nöthigen Beispiele(mehrere und schlagendere finden sich bei Livius, Cornelius und Tacitus), ohne sich auf eine Erklärung einzulassen; schärfer greift die Sache Krebs in seiner Anleitung zum Lateinischschreiben. Die Anwen- dung des Imperfectum und des Präsens in der oratio obliqua wünschte ich gern noch zu erläutern, allein der Raum ver- stattet es nicht. Zeigt sich irgendwo der Unterschied der Haupt- und Nebentempora, des Conjunctivus und des Opta- tivus auffallend, so ist es hier. Hannibals Rede bei Liv. 21. B. 30. C. wird es bestätigen. Zuletzt noch Etwas über die Bedingungssätze. Scheinen sie anfangs auch einige Schwierigkeiten zu haben; so verschwinden sie, wenn man sich die Art der Bedingung nur klar gemacht hat. Vor al- len Dingen unterscheide man Conditional- und hypotheti- sche Sätze. In allen den Fällen, die möglich, ja wahrschein- lich sind, also ia den s. g. Conditionalsätzen, steht das Prä- sens, oder Perfectum, z. B. si quid habeam, tibi dabo; in hypothetischen Sätzen hingegen, wo die Erfüllung der Be- dingung unwahrscheinlich, unmöglich ist, und wo auch wir Deutsche das Imperfectum, oder Plusquamperfectum anwen- den, wird das Imperfectum etc. gebraucht. Das bekannte nummos si haberem, tibi darem, erläutert es äuſserst tref-