Aufsatz 
Hat die lateinische Sprache einen Optativus? / [Friedrich Börsch]
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

das der Sache Eintrag thun könnte, füge ich sogleich die Bemerkung bei, dals der Conjunctivus dieses Tempus so gut wie der Indicativus gebraucht wird, um Nebenumstände, Er- klärungen und veranlassende, bewegende Ursachen anzuzei- gen, ferner, Betrachtungen und Ueberlegungen anzudeuten, und einzelne Belege zur Haupthandlung anzugeben ¹). Dieſs dürfte aber gerade für meine Meinung sprechen, und sich durch den Optativus erläutern lassen. Aufserdem darf ich hier wohl die von Buttmann gemachte Bemerkung für mich geltend machen, daſs die Nebenmodi des Indicativus eine doppelte Bedeutung haben, nämlich, dalſs sie einmal die Zeit des Präsens z. E. anzeigen, zweitens dalſs sie aoristisch sind, d. h. keine Zeit bezeichnen, wie der Infinitivus im Deut- schen; ferner, daſs im Griechischen der Optativus in Vorder- sätzen statt des Indicativus der vergangenen Zeit für etwas, das mehreremals geschah, steht, ohne daſs er etwas vom Ungewissen hat. Diese feinen Bemerkungen scheinen bei dem Lateinischen Zeitworte nicht überall gehörig beherzigt wor- den zu sein 5). Da bei dem Plusquamperfectum in Be- ziehung auf die vollendete Handlung ähnliche Verhältnisse

4) s. Schadelook Von den Zeiten der Zeitwörter(Rostock 1797.) u. Dau Ueber d. richt. Gebrauch d. histor. Temp. insbesondere d. Imperf. Leipz. 1819.

5) s. Seifert gr. Lat. Gr.§. 939, 952, 956. u. a. v. a. St. Etzler Gr. d. Lat. Spr.§. 159 u. 144. Wagner p. 14.