Aufsatz 
Hat die lateinische Sprache einen Optativus? / [Friedrich Börsch]
Entstehung
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einzigen Entscheidungsgrund abgeben, so würde der Streit sogleich entschieden sein: da aber die Flexion nur Ein Ent- scheidungsmoment ist, aufser welchem sich noch ein zweiter in dem innern Merkmale, oder der Bedeutung, findet; so steht jener gegen diesem, der, wo nicht grölſseres, doch we- nigstens gleiches Gewicht hat, wie billig, zurick, und ent- scheidet erst, wenn dieser fehlt, oder mit andern Worten, in der zweiten Stelle.

Ist denn nun aber die Bedeutung dieser Tempora im Indicativus und im Conjunctivus so verschieden? Allerdings, und ich benutze gerade diese Verschiedenheit der Bedeutung als zweiten Grund zur Unterstützung meiner Hy- pothese. Das Imperfectum Indicativi zeigt, wie jede Sprach- lehre darthut, eine fortdauernde Handlung, ein Pflegen, eine Gewohnheit an. Diese Bedeutung findet sich im Con- junctivtempus nicht, und wenn sie ja einmal vorkömmt, z. B. Tac. Hist. I. 79: Romanus miles facile lorica et mis- sili pilo, aut lanceis assultans, ubi res posceret, leui gladio inermem Sarmatam cominus fodiebat, so wird sie durch, den Optativus ³) erklärt. Um jedoch nichts zu verschweigen,

3) s. Görenz zu Cic. II. Fin. 18, 56. Grotefends Lat. Gr. I. §. 254. Zw. A. Wagner D. de Coni. modi nat. et ind. ap. Lat. Marb. 1817. p. 22. Walchs Emendationes Livianae habe ich

nie Gelegenheit gehaht kennen zu lernen, vermute aber, dals sich dort Einiges über den fraglichen Punct finden muſs.