Aufsatz 
Hat die lateinische Sprache einen Optativus? / [Friedrich Börsch]
Entstehung
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mit ihnen auch die neuern bis auf G. J. Vossius ich nenne nur Despauterius, Frischlin diese Zeitformen dem Optativus zugesprochen, und die neusten Bearbeiter der Griechischen Sprachlehre Buttmann, Hermann, Matthià, Thiersch diesen Temporibus des Lateinischen Verbum dieselbe Bedeu- tung zugestehen, welche der Optativus im Griechischen hat. Ich wundere mich, daſs man sich bis hierher mit Vossius Gründen begnügt, und diese Zeitformen nicht einer neuen Prüfung unterworfen hat. Bauer erwähnt bei Perizonius An- merkungen zu Sanctii Minerva nichts, und Ursinus, Schwar- zens und Ruddiman's Sprachlehren letztere ist bei un⸗ äuſserst selten habe ich nicht benutzen können.

Nach meinem unmalsgeblichen Dafürhalten gehören die Tempora dem Imperfectum und Plusquamperfectum nicht an, sondern sie sind als modus Optativus ihren respectiven Haupt- temporibus beizugeben, und zwar aus folgenden Gründen. Doch ehe ich sie aufführe, sei es mir erlaubt, um allenfal- sigen Miſsverständnissen im Voraus zu begegnen, die noth- wendige Bemerkung zu machen, daſs der Ausdruck: Optati- vus, nicht in jener beschränkten, sich blofs auf den einfa- chen Wunsch beziehenden Weise zu nehmen sei, wie die alten Römischen Grammatiker gethan haben; sondern daſs er die subjective Möglichkeit, das Können, oder die Folge einer bloſs vorausgesetzten Ursache, die in der Wirklich- keit vielleicht gar nicht vorhanden ist, anzeige im Gegen-