Aufsatz 
Lahnstein in den Kriegsereignissen des 18. Jahrhunderts. I
Entstehung
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und Nacht zwischen ihnen und den Franzosen auf der Schanze am Fergenhaus Schüsse gewechselt, wobei dieses fast völlig zer- stört wurde. Erst am 15. Februar fühlten die Franzosen sich nicht mehr sicher und verliessen die Stadt. Schon tags zuvor mussten die Bürger mit ihren Ochsenwagen die Kranken aus dem Lazaret und die Bagage wegfahren. Der Abmarsch geschah nachts um 1 Uhr. Dabei bot sich den Bewohnern noch ein eigen- artiges Schauspiel. Weil der Marsch über die Höhe ging, war die Schiffbrücke auf dem Rhein überflüssig, daher hatten die Bürger 600 Bauschen Stroh auf diese zu liefern, womit sie in Brand gesetzt wurde, und die auflodernde Flamme beschien die abziehenden Gäste. Diese liessen aber noch eine andere, schlimmere Erinnerung an ihr Hiersein zurück. Gleich bei der Ankunft hatten sie von der Stadt ein Quartiergeld von 3802 Gld. gefordert, das als places mortes bezeichnet wird.(In einer gedruckten kur- fürstlichen Verordnung, die Kriegskosten betrefftend, steht places morts). Als die Summe nicht bezahlt werden konnte, drohten die Offiziere mit Plünderung. Doch wurde ein Aufschub be- willigt, und der Stadtschultheiss Moskopf ging nach Mainz, um bei der kurfürstlichen Regierung Hülfe zu suchen. Aber Geld war wohl auch dort nicht zu holen, und als der Tag des Ab- marsches kam, war die geforderte Summe noch nicht bezahlt. Daher nahmen die Franzosen den Zollschreiber Lammertz, den Stadtschultheissen Moskopf und den Bürgermeister Oswald Hergen gefangen und führten sie mit sich. Der Zollschreiberadjunkt Ritter eilte in dieser Not nach Coblenz und erhielt am andern Tage von Canonicus Statz im Stift St. Castor 2500 Gld. Der Rest wurde in der Stadt aufgebracht, und Ritter eilte mit der Post von Coblenz den abziehenden Truppen nach und löste die ge- fangenen Häupter der Stadt wieder aus. Von den 3800 Gld. mussten bezahlt werden an den Generaladjutanten des Generals Löwendahl, Kapitän de Lahantière, 816 Gld., an den Brigadier Darnault 558 Gld. und an den Major Lauzon für das Regiment Montboisier 2426 Gld. Im ganzen hatte die Gemeinde bis zum Abmarsche der Franzosen an barem Gelde 11853 Gld. 50 Kreuzer aufzubringen. Es wurde ihr nicht leicht, diese Summe zu be- schaffen. Am 14. Dezember 1744 lieh die Pfarrkirche 200 Gld., am 16. Stadtschultheiss Moskopf und Schöffe Johann Bamberger jeder 425, Oswald Hergen 500 Gld., am 17. Apotheker Gottfried