Aufsatz 
Lahnstein in den Kriegsereignissen des 18. Jahrhunderts. I
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8 35 ³◻☛2

blieben, und zwar sogar ohne Nachtswacht, haben selbe unter beiden Pforten die Steine ad 1 Schuh ausgehoben und also hinein- kommen. sodann den freien Pass und Repass mit aufgesprengten kleinen zweien Gattern sich angeschafft. Die Diebe wurden durch die Nachtswache gestört. Man umstellte die Kirche, aber jene waren bereits entkommen.

Hatte der Krieg dem Frieden Platz gemacht, so zeigte sich die Natur in den nächsten Jahren um so feindseliger. Der Winter von 1739 auf 40 war so streng. dass bei der gewaltigen Kälte Vieh und Menschen in grosser Zahl starben. Der Frost begann gegen Ende Oktober; vom Anfang Januar bis in den März er- reichte die Kälte ihren Höhepunkt, derart dass es nach der Mei- nung der alten Leute durchweg 5 Grad kälter war als in dem berüchtigten Winter von 1709. In der ganzen Zeit bis zum 6 März waren Rhein, Lahn und Mosel mit einer festen Eisdecke überzogen, über die hinweg durch Schlitten der Verkehr vermittelt wurde. Am 19. März zwischen 10 und 11 Uhr, nachts begann der Eisgang, doch blieb die Witterung kalt. Am 10. Juli be- gannen hier und da die Trauben zu blühen. Am 11. Februar zeigten sich plõötzlich 8 Schwäne, von denen 2 der Wenzels- kapelle gegenüber durch die Zollherren erschossen und ans Land gezogen wurden. Auch Trappen und anderewilde Vögel, die man nie gesehen hatte, kamen bei der dauernden Kälte zum Vorschein. Der folgende Herbst erwies sich ebenfalls als wenig günstig. Am 4. und 5. August waren so windige und kalte Nächte, dass man am Hof Buchholz Eis gesehen haben wollte. Die Trauben mit Ausnahme einiger frühen Sorten erfroren, sodass der Preis für eine Ohm vom vorjährigen Rotwein von 6 auf 22 Reichstaler stieg. Nur die Gerste geriet, und es wurde nun statt des Weines Bier getrunken. Dazu kam vom Ende Dezember 1740 bis 14. Januar 41 die grösste Wassersnot des Jahrhunderts, die in vielen rheinischen Orten schwere Verheerungen anrichtete. Zu sieben Malen schwoll das Wasser so gewaltig an, dassdie an der unteren Stadtmauer gelegenen Häuser, Keller etc. ganz überschwemmt waren, sodass in Herrn Stadtschultheissen Haus man hat schiffen müssen. Als der Pfarrer im Schloss eine Messe zu lesen hatte, musste er auf einem kleinen Floss abgeholt werden und konnte über die Treppe gleich ins Haus hineinfahren. Das erste Mal kam das Wasser so plötzlich und mit solcher Gewalt,