Aufsatz 
Lahnstein in den Kriegsereignissen des 18. Jahrhunderts. I
Entstehung
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die schadhafte Brücke an der Oberpforte musste vollständig er- neuert werden. Inzwischen hatten bereits Konferenzen im Haag stattgefunden, die erst am 7. September zum Abschlusse eines Bündnisses zwischen Oestefrreich und den Seemächten England und Holland führten.

Ohne dass der Krieg erklärt war, kam es in diesem Jabre schon zu einem Vorspiele des grossen Kampfes in ltalien, wo Prinz Eugen Mailand als erledigtes Reichslehen einziehen sollte, und im Kurfürstentum Cöln, wo im Streite mit seinen Land- ständen Josef Clemens die Franzosen, die Landstände die Hol- länder herbeigerufen hatten. Im Reiche begannen indes die Ver- handlungen mit den Fürsten wegen des Beitritts zu dem grossen Bündnis. Der Kurfürst von Mainz, Lothar Franz, sowie die Kur- fürsten von Pfalz und Trier hatten sich gleich der kaiserlichen Sache angeschlossen. Schon traf man allerseits Vorkehrungen zum Kriege, und auch hier machten dieselben sich bemerkbar. Ein Ausschuss von 12 Mann wurde in der Stadt ausgemustert und mit Montur versehen, die 193 Gld. kostete. Zweimal musste derselbe nach Mainz zur Besichtigung. Erst am 4. Mai 1702 er- folgte die Kriegserklärung des Kaisers und der Seemächte, der die südlichen und westlichen deutschen Fürsten in ihrer Mehrheit sich anschlossen, während der Kurfürst von Bayern nun offen auf die Seite Frankreichs trat. Dem Reichsfeldherrn Markgraf Ludwig von Baden gelang es, die von den Franzosen besetzte starke Festung Landau zu nehmen(9. Sept). und in den Nieder- landen errang der englische Feldherr Marlborough durch die Eroberung von Lüttich(31. Okt.) einen Vorteil über seine Gegner. Um diesen im Norden Luft zu schaffen, unternahm der General Tallard von der oberen Mosel her einen Vorstoss gegen den Rhein. Er nahm Trier und Trarbach und kam bis Bingen, dann musste er vor den anrückenden Truppen der Verbündeten zurückweichen. Pfälzer, Hessen und kaiserliche Husaren bezogen die Winter- quartiere auf dem Hunsrücken und an der Mosel.

Kam so der Krieg näher, so wurden auch die Leistungen der Stadt grössere. Alle Tore wurden ausgebessert und ein neues Schilderhaus erbaut. Der alteAusschuss verwandelte sich in in eine Landmiliz, die durch beständige Uebungen und Besich- tigungen in kriegstüchtigem Zustande erhalten werden sollte. Unmittelbar vor Neujahr wurden die elf Mann Landmiliz mit