Aufsatz 
Lahnstein in den Kriegsereignissen des 18. Jahrhunderts. I
Entstehung
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Am 1. November 1700 starb König Karl II. von Spanien. Er hinterliess durch Testament seine gesamten Länder, über deren Teilung von den Fürsten Westeuropas schon seit langer Zeit verhandelt worden war, dem Enkel Ludwigs XIV., Philipp von Anjou. Als der französische König noch in dernselben Monate die Anzeige von dem Testamente und der Annahme desselben an die Höfe ergehen liess, waren die rheinischen Kur- fürsten in Verlegenheit, wie sie dieselbe beantworten sollten. Denn es war offenbar, dass weder der Kaiser als Erbberechtigter noch die Seemächte England und Holland dem Uebergange der spanischen Länder an das französische Königshaus ruhig zusehen würden. Darum schlug der Kurfürst von Trier in Mainz und Köln vor, dass manallerseits vertrauteste Räte nach Ober- lahnstein zu einer Konferenz schicke, zu der auch Pfalz ein- geladen werden sollte, um über eine gemeinsame Antwort zu beraten, weil man nicht gut durch eine blosse Empfangsbestätigung den König kränken, aber auch nicht durch einen Glückwunsch die Tatsache billigen könnte. Kurfürst Josef Clemens von Cöln entsandte am 5. Dezember zu dieser Konferenz den Oberstkanzler Baron Karg von Bebenburg. Wenige Monate später, am 13. Februar 1701, schloss Josef Clemens ein Bündnis mit Frankreich, dem dann am 9. März sein Bruder, der Kurfürst Max Emanuel von Bayern folgte. Dieser war gleichzeitig Statthalter der spanischen Niederlande, wo er in Brüssel einen glänzenden Hof hielt. Hier fand auch der erste feindselige Schritt in dem jahre- langen Kampfe statt. In der Nacht vom 5. zum 6. Februar rückten französische Truppen im Einverständnis mit dem Statt- halter vor die helgischen Grenzfestungen, in denen den Holländern das Besatzungsrecht zustand und nöõtigten diese zum Abzug. Bald nach diesem glücklichen Handstreich, am 23. März, verliess Max Emanuel Brüssel, um in seine bayrischen Erblande zu eilen. Im Anfang des April traf die Nachricht ein, dass der bayrische Kurfürst mit zahlreicher Begleitung durch Oberlahnstein kommen werde. Alsbald gingen auf Geheiss des Kammerrats und Zoll- schreibers Löhr alle Bürger daran, die Wege zu bessern, und auch