Aufsatz 
Lahnstein im dreißigjährigen Kriege
Entstehung
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Notar¹) ging ebenfalls mit, um das Protokoll über den Umgang auf⸗ zunehmen. Morgens um 5 Uhr zog die Schar mit fliegenden Fahnen, Pfeifen und Trommeln zur Rheinpforte hinaus, um abends gegen 6 Uhr an derſelben Stelle wieder die Stadt zu beͤtreten. Der Weg ging den Rhein hinab bis zur Lahn an der Nieverner und Früchter Grenze entlang bis nach Spieß⸗Ems, dann an der Dauſenauer, Schweighäuſer, Becheler und Braubacher Grenze vorbei bis zur Mündung der Schlierbach in den Rhein.

Gewann ſo das alltägliche Leben wieder ſein altes Gepräge, ſo fanden ſich auch nach und nach Anzeichen neuen Wohlſtandes. Am 15. Februar 38 erſchien vor Gericht und Rat der Kohlenbrenner Matheiß aus Köln und wünſchte im Namen ſeines Kurfürſten ein Stück Waldes zu kaufen, um darin für die kurfürſtliche Hofhaltung Kohlen zu brennen. Er erhielt ein ſolches für 90 Rchsthlr., wovon er die eine Hälfte ſofort, die andere einige Zeit ſpäter entrichten mußte. Auch bezahlte er den Weinkauf und die Unkoſten beim Beſichtigen des Holzes mit 5 Rchsthlrn. Im Jahre 1640 fühlte man ſich ſo ſicher, daß man daran ging, die alte Kirchenmauer umzureißen und zu erneuern. Damals wurde eine 51 Fuß lange und 12 Fuß hohe Mauer gebaut. Dabei erfahren wir, daß der Maurer damals 20 Alb. Tage⸗ lohn erhielt, während der Leiendecker für ſich 18, für ſeinen Geſellen 12 Alb. empfing.²) Doch wurde nur der Abbruch der alten Mauer im Tagelohn aufgeführt, die eigentliche Arbeit geſchah nach Accord, und zwar bekamen die Maurer für die Quadratrute 4 ½ Rchsthlr. oder 8 Gld. Dabei wurde ihnen Kalk, Steine, Sand und alles Material zum Verarbeiten fertig geliefert. Als ſie den erſten Stein legten, erhielten ſievor ihre Gerechtigkeit ½ Viertel Wein(= 2 Maß); wie ſie auf Pfingſten Feierabend machten, wurden ihnen 4 Maß verehrt, und als ſie das Werk vollendet, koſtete ihre Bewirtung für 10 Maß Wein 2 Gld. 2 Alb. und anEſſenſpeiß 1 Gld. 6 Alb.

Verhältnismäßig niedrig wurde Frauenarbeit geſchätzt, denn 6 Weiber, ſo einen Tag lang Kalk in die Kirche getragen, erhalten jede 4 Alb. In demſelben Jahre wurden auch die Kirchenfenſter, die in der Kriegszeit nicht wenig gelitten haben mochten, erneuert und teilweiſe

¹) Peter Wolffsfeldt aus Trier. ²) Dagegen bekamen 4 Gerichtsſchöffen, die 6 Tage lang die Kirchenbriefe beſichtigten, jeder täglich nur 13 ½ Alb.