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Die Schwedenjahre. A4) Rriegsereigniſſe.
In den letzten Monaten des Jahres 1631 durcheilte der Schweden⸗ könig Guſtav Adolf nach der Schlacht bei Breitenfeld auf raſchem Siegeszuge Thüringen und Franken; am 23. Dezember öffnete ihm Mainz die Thore.*) Jetzt galt es, die Feſtungen des Rheines zu erobern. In ſchneller Folge wurden durch den Rheingrafen die feſten Plätze auf dem Hunsrück und im Rheingau den Spaniern entriſſen. Am 9. Januar 1632 verließ der ſpaniſche Hauptmann Bacharach mit nur noch 10 Mann; die übrigen waren in ſchwediſche Dienſte getreten. Tags vorher zogen die Spanier nach kräftiger Gegenwehr von Caub aus. Sie fuhren zu Schiffe mit klingendem Spiele nach Coblenz; der heſſiſche Oberſt Konrad von Uffeln²) geleitete ſie. Bei dieſer Fahrt hat er wohl auch Ober⸗ lahnſtein ins Auge gefaßt, denn bereits am 16. Januar erſchien er mit ſeinen Heſſen vor den Thoren der Stadt und forderte dieſelbe auf, eine heſſiſche Beſatzung einzunehmen. Die Verhandlungen mit ihm führte der Junker Antonius Neuer und einige Gerichtsperſonen. Schließlich ließ er ſich bereit finden, gegen eine Summe von 300 Reichsthalern auf die Beſetzung der Stadt zu verzichten. Damit aber der feſte Platz nicht ſo leicht die Beute der erſten, beſten Schar werde, legte alsbald der Kurfürſt von Mainz eine Garniſon hinein.“) Hatte das Jahr mit Krieg und Kriegsgeſchrei begonnen, ſo ſollte ſein Verlauf dem Anfange entſprechen. Der Erzbiſchof Phil. Chriſtoph von Trier hatte, um ſein Land vor der Verwüſtung infolge der ſteten Truppendurchzüge zu ſchützen, einen Vertrag mit dem franzöſiſchen Könige geſchloſſen und dieſem das Beſatzungsrecht in den wichtigſten Feſtungen, beſonders in Chrenbreitſtein, zugeſtanden. Damit waren die Domherren keineswegs zufrieden. Sie riefen vielmehr
¹) Der Kurfürſt floh nach Cöln. Dorthin wurden zwei Ratsherren von Oberlahnſtein zu ihm geſchickt; ſie empfingen dafür aus der Gemeindekaſſe 6 Reichsthaler. ²) Theatr. Europ. II, 549. Naſſ. Annal. 23, S. 96. ³) Oberl. Chr.


