Aufsatz 
Lahnstein im dreißigjährigen Kriege
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9

worden war. Allein in Herborn wurden von 16291632 elf Zauberer, zehn Witwen und 65 größtenteils alte Frauen hingerichtet. In jedem Orte waren Männer beſtimmt, die als öffentliche Ankläger auftraten, dem Hexengeheimnis nachſpüren, und wo es ein Gemurmel gab, die Anzeige machen mußten). Auch unſere ſtille Stadt blieb von dem Unweſen nicht ganz verſchont. Am 14. Juli 1630 wurde eine Tochter der Magdalena Sauer und des einſt enthaupteten und verbrannten Joh. von Nievern, genannt der Ürſeler, getauft. Pathin war die Frau des Zauberſpürers(magiae inquisitoris) Joh. Weißbecker.²) Hier hatte, wie es wohl häufig der Fall war, das Geſchick einen Mann getroffen, der anderer böſer Thaten wegen bei ſeinen Mitbürgern nicht im beſten Rufe ſtand. Im Jahre vorher ſtahl Johann von Nievern, der Ürſeler, Korngarben und mußte zur Strafe im Herbſt den Bürgern ein Ohm Wein zum beſten geben.³) Auch unſere Nachbarſtadt Braubach hat um dieſelbe Zeit ihren Hexenbrand gehabt. Als der dreißigjährige Krieg ſchon zu Ende war, wurde vor dem dortigen Gericht Klage erhoben, daß Jakob Roſſels Fran, welche wegen Hexerei hingerichtet wohl vor 24 Jahren, der Stadt Braubach 500 Gulden ſchuldig geblieben ſei wegen ihrer Unkoſten. Der Gerichtsſchreiber fügt aber hinzu, es ſei noch nicht einmal halb ſo viel geweſen.ö) Die Ankunft der Schweden gab den Gedanken eine andere Richtung und ſetzte jenen Prozeſſen zunächſt ein Ziel. Unter dem folgenden Erzbiſchofe Johann Philipp, dem Freunde des edlen Jeſuiten Friedrich Spee, hörten ſie im Würzburgiſchen und Mainziſchen ganz auf.)

¹) Keller, Drangſ. des naſſ. Landes 132 ff.

²) Oberl. Kirchenb.

³) Oberl. Gerichtsprot.

) Braubacher Gerichtsprot.

) Hennes, Geſch. der Erzbiſch. v. Mainz S. 331.