Aufsatz 
Lahnstein im dreißigjährigen Kriege
Entstehung
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8.

Kriegsſteuer die Gemeinde nicht zu ſehr drückte. Darum findet der Stadtpfarrer Groß auch noch im Juni Muße zu einem launigen Epigramm auf jenen Monat, der ihm keine einzige Taufe gebracht hat. ¹)

Während ſo hier im Thale unſere Altvorderen in verhältnismäßiger Behaglichkeit lebten und von den Drangſalen des Krieges nur wenig berührt wurden, herrſchte droben auf den Bergen, im Weſterwald und Taunus, Not und Elend in jeglicher Geſtalt. Zahlloſe Einquartierungen und Durchmärſche vernichteten den Wohlſtand des Bürgers wie des Bauern in gleicher Weiſe. Wenn die Kriegsknechte abgezogen waren, ſo blieben Hunger und Krankheit, Armut und Jammer zurück. Tiefer Mißmut und finſterer Menſchenhaß zogen ein in die Seele des Bürgers, dem ſein Gut rückſichtslos genommen, und in die des Landmannes, deſſen Saaten von Roſſeshuf zerſtampft wurden. In der unverſchuldeten Not wurden die Gemüter der Unglücklichen hart und grauſam, und auf ſolchem Boden erwuchs jener unglückſelige Wahn, der in unſern Gegenden eine Menge Opfer fordern ſollte. In den ſchrecklichen Zauberer⸗ und Hexenprozeſſen ſchien das arme gedrückte Volk Rache nehmen zu wollen für alle die Unbilden, denen es jahrelang ſchonungslos preisgegeben

¹) Epigramma in id quod Junius hoc anno infoecundus fuit:

Brachia quando levat Juno, dat parturienti

Prolem, sed negat hoc, brachia dum reprimit.

Junius a Junone suum mutuasse videtur

Nomen, at hoc anno Junius est sterilis.

Junius, quam causam praetexis sterilitati?

Non aliam, nisi quod brachia Juno premit.

Oberl. Kirchenb. v. 1627 an.

Als Pfarrer während des Krieges werden genannt:

Matthias Groß aus Coblenz bis 1635; Jakob Thoma von 1635 an.

Außerdem war bis zum Jahre 1644 zeitweilig ein Frühmeſſer hier. Dann ging die Stelle ein. 1662 wurden die Einkünfte des Frühmeſſers und die der Ulrichskapelle auf Lahneck der Pfarrei zugewieſen, und der Pfarrer nahm einen Kaplan in ſein Haus, der neben freier Station jährlich 50 Gld. empfing.

Lehrer, die dabei immer Gerichtſchreiber ſind, werden folg. erwähnt:

Rupert Münſter 1628;

Adam Fellerig 1634(Vetter des Pfarrers Groß): Joh. Weinhart 1641, 43, 44;

Paulus Becker 1646, 51;

Paul Piſtorius 1647, 48.

Kurz vor dem Kriege muß eine Schule gebaut worden ſein, denn nach der Schwedenzeit wird ein Hausder alten Schol gegenüber verkauft.