Aufsatz 
Lahnstein im dreißigjährigen Kriege
Entstehung
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Doktor Poland aus Coblenz und den Burggrafen von Lahneck, Kilian Lögelin; eine Liſte vom Jahre 26 weiſt bereits eine lange Reihe ſäumiger Zahler auf. Die genannten Steuern verteilen ſich im Jahre 1622 auf 158 Schatzungspflichtige; 1602 gab es deren 138; im Jahre 1632 waren es 146. Die Stadt Wiesbaden hatte 1629 bei 224 Schatzungs⸗ pflichtigen 130 Bürger und im ganzen 915 Bewohner. Die Einwohner⸗ zahl Oberlahnſteins betrug alſo damals etwa 700.¹)

Anſcheinend haben die Bewohner unſerer Stadt die Kriegsſteuer ohne große Beſchwerung ertragen. Die Gemeinde hatte von jeher aus⸗ gedehnten Landbeſitz. Eine Anzahl von Grundſtücken wurde alljährlich vom Rat verpachtet;zum Lichtmeßtag bei währendem Sonnenſchein entrichtete der Pächter den Zins. 500 bis 600 Schafe weideten von Niclas bis Gertraudentag auf den Lahnſteiner Fluren; dafür zahlte der Schäfer 34 Gulden und durfte,wenn etwa der Schnee zu groß gefallen 8 bis 14 Tage in die jungen Hecken und Kornſtoppeln treiben. Daneben hatten einzelne Hofbeſitzer bis zu 100 Schafen auf ihrem eigenen und dem angrenzenden Grunde. Dingte die Gemeinde ſelbſt einen Schäfer, ſo erhielt dieſer 55 Gulden, die die Bürger je nach der Zahl ihrer Thiere bezahlten, und das Recht, drei Viertel Schafe und vier oder fünf mehr für ſich ſelbſt zu halten.?²) Auch Häuſer in der Stadt waren Eigentum der Gemeinde. So verkaufte der Rat 1609 ein baufälliges Haus an den Beſeher Servatius Fenger für 465 Gulden Lahnſteiner Währung. Das Geld verwendete er zum Bau eines Gemeindewirts⸗ hauſes dem Rathaus gegenüber, das dann wieder eine gute Einnahme⸗ quelle abgab, denn wer dort Wein verzapfen laſſen wollte, mußte vom Fuder dem Wirte 10, der Gemeinde 5 Gld. entrichten; im eigenen Hauſe durfte der Bürger nur ein halbes Fuder und aufs höchſte 4 Ohm verzapfen.

Wenn wir dann noch verſchiedene Oberlahnſteiner Bürger mit kleineren oder größeren Gaben in dem Zinsbuche des Niederlahnſteiner Hospitals verzeichnet ſehen, ſo müſſen wir wohl annehmen, daß die

¹) Coblenz hatte 1630 bei 550 Bürgern nach derſelben Rechnung ungefähr 4000 Einwohner; im Jahre 1638 hatte es kaum die Hälfte.

Bemerkenswert iſt noch, daß etwa ein Siebentel aller damaligen Oberlahn⸗ ſteiner entweder Eimuth oder Mangold hieß. Unter den Steuerpflichtigen von 1622 ſind 15 namens Mangold, 7 mit Namen Eimuth, ſo daß neben einander auftreten: Hans Mangold der Jung; Hans M. der Alt; Johannes M. der Jung; Johannes M. der Alt.

²) Ratsprotokolle von 1598 ab.