Aufsatz 
Die Entwicklung des lateinischen höheren Schulwesens in Frankfurt/M
Entstehung
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getrieben; für Schüler, die in das Gymnasium übertreten wollten, war 4 Jahre lang für lateinischen, 2 Jahre lang für griechischen Unterricht gesorgt. Die Zahl der Gymnasialschüler war gering. Der Hauptsache nach war 1866 die Selektenschule eine lateinlose Realschule, der noch die oberste Klasse fehlte.

Die am 1. April 1853 eröffnete Unterrichtsanstalt der israelitischen Religions- Gesellschaft wurde gleich als Realschule, die neben Französisch und Englisch vor allem Hebräisch lehrte, ausgebaut. Schon 1858 hatte sie 8 Knabenklassen; der Kursus der obersten Klasse war 2 jährig. 7 Jahre lang war Unterricht im Französischen, 4 Jahre im Englischen; sie war bei der Einverleibung Frankfurts in Preußen eine vollständige Realschule ohne Latein.

Wir haben in unserer Ubersicht neben dieser Schule noch die 1852 von der Polytech- nischen Gesellschaft gegründete Gewerbeschule erwähnt. Dieser Anstalt erging es wie allen ähnlichen Schöpfungen; zuerst betrieb sie nur technische Fächer, bald traten aber allgemein bildende hinzu. 1853 wird schon Französisch und Geschichte gelehrt. Die ur- sprünglichen 3 Klassen werden in dem folgenden Jahr auf 4 vermehrt. Als 1857 die höhere Bürgerschule gegründet war, wurde die unterste Klasse aufgehoben, das Eintrittsalter auf 14 Jahre festgesetzt und statt der eingezogenen Klasse eine neue oben hinzugefügt. Der Lehrplan umfaßt an allgemein bildenden Fächern jetzt Französisch, Deutsch, Ge- schichte, Geographie. Von 1860 an wird die Schule in den Berichten der Polytechnischen Gesellschaft alsHöhere Gewerbeschule bezeichnet. Die I. Klasse hatte einen Kursus von 3 Semestern; die aus le mit dem Zeugnis der Beife entlassenen Schüler wurden in das Polytechnikum von Karlsruhe und Zürich ohne weiteres aufgenommen. Englisch war fakul- tativ. Anderungen im Lehrplan des Polytechnikums in Karlsruhe veranlaßten 1864 eine Reorganisation. Die Anstalt bestand nunmehr aus 2 Abteilungen, aus einer allgemeinen, welche die Klassen IV und III umfaßte, und aus einer mathematischen Abteilung mit den Klassen II, I, le. Französisch war in allen Klassen, Englisch von III an obligatorisch. Die Einrichtung war jetzt eine derartige, daß die Schule, abgesehen von ihrem weit über die Ziele anderer höherer Lehranstalten hinausgehenden mathematischen und technischen Unter- richt, durch die allgemein bildenden Disziplinen diesen zur Seite gestellt werden konnte.

Die 1857 entstandene höhere Bürgerschule ist in der Absicht gegründet, an Stelle der aufgehobenen Mittelschule eine neue Schule treten zu lassen, die über die Ziele jener Schule hinausgehen und ungefähr den Charakter annehmen sollte, den die Musterschule vor ihrer Umgestaltung im Jahre 1859 besessen hatte. Sie umfaßte einen 9 jährigen Kursus in 7 Klassen, die beiden oberen Klassen waren 2jjährig. Schon nach dem ersten Schuljahre wurde die zweite Klasse in 2 subordinierte Kurse getrennt und das Englische eingeführt, 1860 kam Chemie hinzu. 1864 fand auch eine dauernde Teilung der ersten Klasse statt, so daß die Anstalt aus 9 Klassen bestand. In der sechsten begann das Französische, in der dritten Klasse das Englische; die Schule war ein Vorbild der jetzigen 6 klassigen lateinlosen Realschule.

Es sei hier gleich bemerkt, dabß in der 1862 von der Polytechnischen Gesell- schaft gegründeten Handelsschule noch eine Anstalt entstand, die bei dem Betreiben zweier moderner Sprachen als obligatorischer Lehrgegenstände und des Italienischen als fakultativen sich später zu einer höheren lateinlosen Schule herausbildete.