Aufsatz 
Die Entwicklung des lateinischen höheren Schulwesens in Frankfurt/M
Entstehung
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dieser Anstalten hebt sie aber schon von Anfang an aus dem Rahmen der Volksschulen und Mittelschulen heraus, sie werden auch 1813 als Realschulen bezeichnet, so dab wir sie von ihrem Anfang an in Betracht ziehen müssen, wenn sie auch zunächst nur das Französische als Fremdsprache treiben. In dem Programme der Musterschule vom Jahre 1813 heißt es ausdrücklich:Die Musterschule hat nummehr völlig die Einrichtung, daß junge Leute, die für höhere Berufsarten und also zu Mitgliedern der- Klasse der Gebildeten in der bürger- lichen Gesellschaft, bestimmt sind, da ihren Unterricht und ihre Bildung, soweit diese ein Werk der Schule und des Unterrichts ist, vollständig erhalten können.

An dieser Stelle sei nebenbei bemerkt, daß die Durchsicht alter Programme der Volks- und Mittelschulen ein sehr erfreuliches Bild dieser Anstalten ergiebt. Das Lehrziel ist viel umfassender und weit höher als das der damaligen preußischen Volksschulen. 80 war, um nur eines herauszunehmen, in der Frankfurter V olksschule Gelegenheit zum Prlernen des Französischen geboten. Die Leiter dieser Anstalten waren fast stets studierte Männer, auch unter den Lehrern waren viele, die eine Universität besucht hatten. Es liegt auf der Hand, dab dadurch die Anregung in dem Lehrkörper eine vielseitige war und den Einfluß auf den Unterricht nicht verfehlen konnte. Unter diesen UImständen ist es auch verständlich, daß noch vor 20 Jahren der eingeborene Frankfurter wohl einenProfessor des Gymnasiums kannte, zwischen den übrigen Lehrern aber keinen Unterschied machte.

Aus den vorhergehenden kurzen Angaben geht hervor, daß das lutherische Gym- nasium seit dem 16. Jahrhundert die einzige höhere Schule war, bis erst 1783 in der zur Realschule erweiterten Domschule eine zwéite höhere Anstalt hinzutrat. Uber die Fre- quenz dieser Schule, die einen zweijährigen Kursus hatte, habe ich nichts erfahren können; ein aus dem Jahre 1786 erhaltenes Prüfungs-Programm zeigt unter den Lehrfächern Erd- beschreibung, Latein, Französisch. Ebenso wenig Kenntnis habe ich von dem Besuch des Fridericianums, es fehlte an LZeit, die auf dem städtischen Archiv befindlichen Akten dort durchzusehen ich habe nur gefunden, dab in das gemeinsame Großherzogliche Gym- nasium 70 Schüler aus dem Fridericianum übertraten. Nach einem Prüfungs-Programm von 1811 zählte die Schule 5 Klassen. Lehrgegenstände waren multa: Religion, Griechisch, Lateinisch, Deutsch, Rechnen und Mathematik, kaufmännisches Rechnen und kaufmännische Korrespondenz, Geographie, Naturgeschichte, Naturlehre, griechische und römische Litteratur- geschichte und klassische Litteratur, Poetik, vaterländische Geschichte, römische Archäologie, Schönschreiben, malerisches und architektonisches Zeichnen.

Der 1812 veröffentlichte Lehrplan der so bald eingegangenen katholischen Real- schule ist insofern von Wichtigkeit, als die anderen Schulen sich nach ihm gerichtet haben. An die drei 2jährigen Klassen der Bürgerschule schloß sich die Realschule mit zwei ein- jährigen Kursen an. Ihr Ziel wird folgendermaßen bezeichnet:Denjenigen Schülern, welche zu ihrem künftigen Berufe einer gröberen Ausbildung bedürfen, soll in der Realschule eine Anstalt eröffnet werden, an welcher sie teils ihre an der Bürgerschule erlernten Kenntnisse weiter treiben, teils neue, den Geist veredelnde und zu einer verständigen Geschäfts- führung im Handel, beim Fabrikwesen, in den mechanischen Künsten u. s. w. verbreitende Kenntnisse erwerben können. Die Lehrgegenstände waren außer den Fächern der Volks- schule Französisch, Weltgeschichte, Erdbeschreibung, Naturgeschichte, Naturlehre, Anthro- pologie, Mathematik.