Aufsatz 
Die Entwicklung des lateinischen höheren Schulwesens in Frankfurt/M
Entstehung
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Ihr fielen die Zinsen eines Vermächtnisses des im Jahre 1799 verstorbenen Schöffen Fr. v. Uffenbach zu. Diese Schule,die, in möglichster Vollendung hergestellt, den übrigen Schulen als Vorbild und Antrieb zur Nachahmung dienen sollte, entwickelte sich bald höchst erfreulich zu einer im Sinne der damaligen Zeit höheren Schule, die von Protestanten beiderlei Geschlechts besucht wurde.

Im katholischen Schulwesen war im Jahre 1749 eine Anderung vorgegangen. Der Mainzer Kurfürst Joh. Friedrich Carl hatte bei der wachsenden Zahl der Katholiken die Englischen Fräulein von Fulda kommen lassen und eine von ihnen geleitete, von der Knabenabteilung der Domschule getrennte Mädchenschule errichtet, der bald eine zweite für Töchter wohlhabenderer Familien folgte, welche die geistlichen Jungfrauen der Rosenberger Einigung(Dominikanerinnen) leiteten. Eine wesentliche Reform des Knabenschulwesens wurde im Jahre 1783 von dem Kurfürsten und Erzbischof Fr. Carl v. Erthal vorgenommen. Die Domschule, die nur den gewöhnlichen Trivialunterricht vermittelte, wurde zu einer Volks- und Realschule erweitert, die u. a. die französische und die lateinische Sprache, Geschichte, Geographie und Mathematik in ihren Unterricht aufnahm. 1790 wurde ein katho- lisches Gymnasium Fridericianum gegründet, an dem die zu Weltpriestern verwandelten hiesigen Dominikaner wirkten. Die Sorge für das katholische Schulwesen fiel mit der Säku- larisation der Stifte und Klöster im Jahre 1803 zunächst der Stadt zu. Als aber 1806 Frankfurt seine Freiheit verlor und unter die Regierung des Fürsten Primas C. Th. v. Dal- berg kam, nahm sich dieser feinsinnige Fürst, den Gruner, der Oberlehrer der Musterschule, Eine Sonne, die aufheiternd über dem Horizont dieser Anstalt aufging, nennt, aufs eifrigste der Schulen an. Als Großherzog führte er dann eine Organisation des gesamten Schulwesens durch. Von den vorher erwähnten katholischen Mädchenschulen wurde die Schule der Rosen- berger Schwestern in eine öffentliche Volksschule, die der Englischen Fräulein in eine höhere Mädchenschule verwandelt. Die Realabteilung der Domschule wurde mit dem Frideri- cianum verbunden, verblieb aber, als im Jahre 1812 aus dem alten Gymnasium Augsbur- gischer Konfession und dem Fridericianum ein beiden Konfessionen gemeinsames Gymnasium errichtet wurde, wieder als selbständige Realschule der katholischen Gemeinde. Dem Gym- nasium übergeordnet wurde das Lyceum Carolinum, eine Art von Universität, die haupt- sächlich dem Studium der Mathematik und der Realien dienen sollte. Auch die erste öffent- liche protestantische Volksschule entstand unter dem Fürsten Primas in den 1813 errichteten Weibßfrauenschulen(Knaben und Mädchen), die je mit 2500 fl. vom Großherzog subven- tioniert wurden.

Zu den den zwei christlichen Konfessionen gehörenden Schulen war in dieser Zeit noch eine weitere von der israelitischen Gemeinde gegründete Anstalt getreten. Im Jahre 1804 hatte Sigmund Geisenheimer sich mit einigen Freunden zusammengethan, um für jüdische Kinder einPhilanthropin zu gründen. In den ersten Jahren schickte man die Pfleglinge in die Musterschule, bis es im Jahre 1806 möglich ward, eine eigene Schule zu errichten, die ebenso wie die der christlichen Konfessionen durch den Großherzog eine staat- liche Unterstützung erhielt.

So lagen die Verhältnisse, als Frankfurt am 2. November 1813 durch die Truppen der Alliierten besetzt wurde und damit die Herrschaft Carl Th. v. Dalberg's ein Ende nahm. Die Mächte erklärten am 14. Dezember Frankfurt wieder als freie Stadt. Trotz der Wieder-