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und Ruthengeflecht für Schiffe unpassirbar machen ⁴⁰⁹). Alle Vorsichtsmassregeln wurden ergriffen, um ein Entweichen des schlauen Piraten zu verhindern. Da erschien plötzlich auf dem Flusse die neue Flotte Limahons, der damit eine glänzende Probe seiner Ausdauer und seines ungebeugten Mutes gegeben hatte, die seinem unentschlossenen Benehmen vor Manila in einer merkwürdigen Weise widerspricht. Er hatte die Schiffe im Innern des Lagers aus dem nicht reichlichen Balkenmateriale aufgebaut und dann einen Canal bis zum Flusse graben lassen. Durch diesen Canal liess er seine Schiffe in den Rio Pangasinän einlaufen.
Natürlich verdoppelten die Spanier jetzt ihre Sicherheitsmassregeln, dennoch wusste der schlaue Pirat sie zu täuschen. In der Nacht des 3. August 1575 liess er nämlich auf kleine Boote Körbe und brennende Fackeln setzen. Bei der unsicheren Beleuchtung der letzteren nahmen sich die Körbe wie Menschen von der Ferne aus. Mit gespannter Aufmerksamkeit beobachteten die Spanier die vermeintlichen Piraten, während indessen Limahon entwich. Er hatte nämlich unter dem Schutze der Dunkelheit seine Flotte weiter stromabwärts gestellt und während die Spanier ihre ganze Aufmerksamkeit den korbbeladenen und mit Fackeln beleuchteten Flössen und Booten zuwandten, gelang es ihm glücklich bis zur Mündung des Rio de Pangasinän zu kommen. Dort wurden die schlecht eingerammten Pfähle rasch aus dem Wege geräumt und— Limahon schwamm mit dem Reste seiner Leute frei auf dem freien Meere.
Als Salcedo den Betrug bemerkte, war Limahon schon weit aus dem Bereiche der Spanier. Diese drangen nun in das verlassene Lager ein. Dort lagen Haufen von erschlagenen Chinesen. Limahon hatte nämlich nicht genug Schiffe und Lebensmittel, um alle seine Leute mitnehmen zu können und so hatte er die schwächlichen und kranken seiner Mannschaft einfach niedermetzeln lassen. Obwol die Pracht des Hauses Limahons, seines Haremliks und seiner Privatpagode grossartig war, so liess Salcedo doch alles verbrennen. Nachdem dieses geschehen war, schickte Salcedo alle seine Truppen bis auf 100 Mann (Spanier) mit einem Berichte über das Vorgefallene nach Manila zurück. Mit jenen 100 Mann segelte der unermüdliche Maestre de Campo aus dem Golfe von Lingayen hinaus, um den Piraten auf offener See aufzusuchen, doch verlief die Jagd resultatlos. Salcedo erfuhr nur, dass Limahon 6 Leguas vom Rio Pangasinän nochmals an Land gegangen war, um seinen geringen Mundvorrat zu ergänzen. Bei dieser Gelegenheit verlor er einen grossen Theil seiner Leute unter den Streichen der Indier. Viele der Piraten desertirten auch oder konnten nicht mehr eingeschifft werden und blieben am Lande zurück. Von diesen wurden viele erschlagen, anderen gelang es glücklich in die entlegenen Gebirge zu entkommen, wo sie von den wilden Bergstämmen gut aufgenommen wurden und sich mit ihnen vermengten. ¹¹)
Limahons Flotte gieng durch Stürme nahezu vollständig zu Grunde, waren doch seine Schiffe grössentheils nur offene Boote oder flossähnliche Fahrzeuge.
⁴⁰) Während dieser Zeit langte der kais. chinesische Commodore Pezung Aumon in Pangasinän an. Pr suchte den Limahon und erfuhr von einem spanischen Fahrzeuge auf offener See, dass Limahon im Golf von Lingayen von den Spaniern belagert würde. Aumon segelte dorthin und wurde von Salcedo mit grosser Höffichkeit aufgenommen. Seine Unterhand- lungen mit den Officieren des Piraten blieben erfolglos. Er wandte sich dann nach Manila, worüber ich weiter unten näheres mittheilen werde. Nach Fray Gaspar(pag. 308) soll er es gewesen sein, der den Spaniern riet, den Limahon lieber auszuhungern, statt das wol- befestigte Lager zu stürmen. Mir kommt diese Nachricht sehr unwahrscheinlich vor.
4¹) Nach der Ansicht vieler Schriftsteller sind die heutigen Igorrotes auf Luzon die Abkömm- linge dieser Chinesen und der Weiber jener wilden Bergstämme.— Man vergleiche über diese Frage ausser schon gelegentlich citirten Worten: Ad. v. Chamisso. Reise um die WMelt mit der Romaneoffischen Entdeckungserpedition. Berlin 1856. 4. Auflage. 2. Bd. pag. 109 und den Aufsatz in den Bremer geographischen Blättern(1. Jahrgang). Dr. Mundt-Lauf. Die Negritos der Philippinen.


