Aufsatz 
Die Chinesen auf den Philippinen. Eine historische Skizze
Entstehung
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auf 60 Fahrzeugen ²⁷) eingeschifft. Mit der Artillerie sah es sehr schwach aus, denn der gesammte Geschützpark bestand nur aus vier Kanonen! Lacondala, der Rajah von Tondo machte mit seinen Söhnen die Expedition mit.

Salcedo wurde in Pangasinän von der Bevölkerung als Erretter jubelnd begrüsst, denn Limahon hatte ihnen bereits ihre Palmenhaine, von denen sie lebten, niedergeschlagen. Salcedo liess sogleich die Befestigungen des Piraten mit Sturm angreifen. Unter grossen Verlusten gelang es zwar bis zur inneren Palissadenreihe vorzudringen, doch vermochte man nicht diese zu nehmen. Es war ein Glück für die Spanier, dass der Pirat in unbegreiflicher Sorglosigkeit seine Artillerie noch nicht aufgepflanzt hatte und auch seine 1000 Arcabusen noch fest verpackt waren, sonst wären an diesem heissen Tage die Spanier wie die Mücken gefallen. Während dieses Gefechtes hatte Cap. Chaves die im Flusse liegende Flotte Limahons ohne Widerstand genommen und sie sogleich in Brand gesteckt. ³8)

Limahon begann dann nach Aufstellung seiner Artillerie das spanische Lager und die Flotte zu beschiessen, so dass beide ihren Standpunkt ändern mussten. Eine Aufforderung Salcedos an Limahon, das Land zu verlassen, wozu die Spanier behülflich sein würden, wurde mit Hohn abgewiesen. Im spanischen Lager sah es überhaupt damals nicht sehr gut aus, denn es lagen nicht nur viele verwundet oder krank darnieder, es begann sich auch Not an Pulver und Mundvorrat zu zeigen. Zu alle dem war Salcedo mit seinen Officieren etwas auseinandergekommen, indem er im Kriegsrate für einen nochmaligen Sturm auf das chinesische Lager war, ³⁵) während das gesammte Officierscorps sich für das Aushungern der Piraten entschied. In der That ist es kaum glaublich, dass Salcedo in vollem Ernste für eine so unbesonnene Massregel, wie es das Stürmen gewesen wäre, eintreten konnte. Denn hatte schon der erste Gefechtstag, an welchem die zahlreiche Artillerie und die 1000 Musketen Limahons gar nicht in Verwendung gekommen waren, so zahlreiche Opfer gekostet, so musste jetzt, ein Sturm zur Decimirung der Angreifer führen. Ich glaube desshalb, dass Salcedo überhaupt nie im Ernste für einen Sturm war, sondern höchstens sich vor dem Gobernador decken wollte, um nicht eventuell wegen Unthätigkeit zur Rechenschaft gezogen zu werden. Vorläufig entschied man sich dafür, Limahons Festung zu cerniren und die Kranken und Verwundeten nach Manila zu senden. Salcedo schnitt auch thatsächlich alle Lebensmittelzufuhr den Piraten ab, 8o dass Hungersnot unter ihnen ausbrach, in Folge dessen täglich zahlreiche Chinesen zu den Spaniern desertirten.

Inzwischen kehrte Cap. Ribera, der den Krankentransport nach Manila geleitet hatte, mit 72 Spaniern, Munition und Lebensmitteln nach Pangasinän zurück. Er brachte zugleich die stricte Weisung des Gobernadors mit, den Feldzug durch einen Sturm so rasch als möglich zu beendigen. Doch die Lage der Dinge machte den Befehl des Gobernadors unausführbar. Die Hungersnot im Lager der Chinesen musste in kurzer Frist, ohne einen Schuss Pulver zu kosten, dieselbe Katastrophe herbeiführen, wie ein Sturm, der ohne einen ungeheuren Blutverlust nicht abgegangen wäre.

Da die chinesischen Ueberläufer meldeten, dass Limahon in seinem Lager Schiffe baue, um zu entkommen, so liess Salcedo die Flussmündung mit Pfählen

Ilocos 40 Spanier zurückblieben, sonach die Zahl der Spanier auf den Philippinen im Jahre 1575 sich nur auf 540 belief.

³⁷) Meist kleinen indischen Booten.

²s) Chaves that dies so eilig, da er aus den Dschunken nicht einmal die reichlich vorhandenen Munitionsvorräthe und Lebensmittel herausnahm, obwol die Spanier an diesen beiden Artikeln Mangel litten.

35) Frag Gaspar pag. 300.