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fort beschossen wurden, so dass sie haufenweise zusammensanken. Als Limahon die Not seiner Leute sah, liess er 400 Mann an's Land setzen, damit diese mit dem Reste von Sioco's Leuten noch einen Angriff auf die spanische Stellung unternehmen sollten. Er selbst liess sich in einem kleinen Boote bis zum Strande rudern und feuerte seine Soldaten von der See aus zum nochmaligen Angriffe an.
Aber dies war vergeblich. Die Soldaten waren zu einem nochmaligen Angriffe nicht zu bewegen. So musste sich Limahon begnügen, die Stadt vollends auszuplündern, worauf das Signal zur Einschiffung gegeben wurde. Nun entstand eine unbeschreibliche Scene. Jeder wollte der erste im Boote sein, alles drängte sich vor, um so schnell als möglich den Unglücksstrand zu verlassen. Als Salcedo diese Verwirrung und Panik unter der Bande bemerkte, machte er einen Ausfall. Die Piraten wurden unter den Augen Limahons massenhaft nieder- gemetzelt, ihr Mut war so gesunken, dass nur wenige sich wehrten, die andern aber wie betäubt sich abschlachten liessen, ohne Widerstand zu leisten. Limahon ³³) segelte dann nach dem Orte Parafiaque, ³⁴) dessen Bewohner nach Ausplünderung der Reisevorräte niedergemacht wurden. Von dort segelte er gegen Süden zu ab.
Jetzt erst athmeten die Spanier frei auf. Die Gefahr war durch die Thorheit Limahons und die Tapferkeit Salcedos vollständig beseitigt, aber nur auf einer Seite, denn die Mauren von Manila und Tondo erhoben jetzt das Banner des Aufruhrs und Labezares konnte seiner geringen Streitkräfte wegen nichts gegen sie unternehmen. Desshalb schickte der Gobernador sogleich nach der Insel Panay nach dem Capitän Haya, der mit allen Soldaten und Lehensleuten(En- comenderos) sich in Manila einfinden sollte, dessgleichen wurde Cap. Pedro Chaves aus Camarines mit allen seinen Truppen zurückberufen. Rüstig wurde auch an der Erbauung eines festen Palissadenforts gearbeitet.
Labezares hatte den Lt. Saavedra mit 3 Fahrzeugen nach Fernandina- Bigan abgeschickt, um die Besatzung desselben von der glücklichen Abwehr Limahons zu benachrichtigen und dieselbe zur Vorsicht zu ermahnen, da der Pirat wahrscheinlich längs der Küste von Ilocos heimsegeln würde. Zu seiner Ueberraschung stiess Saavedra auf dieser Fahrt auf Limahon, der sich im Golfe von Lingayen festgesetzt hatte. Saavedra kehrte sofort nach Manila um und meldete das Vorgefallene dem Gobernador.
Labezares sah nun ein, dass eine Verjagung des Corsaren nur mit einem ausserordentlichen Kraftaufwande stattfinden könnte, denn Limahon hatte sein Lager am Rio Pangasinän mit einem doppelten Palissadenkranze umgeben. Desshalb wurde beschlossen, sämmtliche Spanier des Archipels in Manila zu concentriren und mit diesen im Vereine mit indischen Hilfstruppen den Piraten von Luzon zu vertreiben. Vor allem aber galt es die aufständischen Mauren der Prov. Manila zur Unterwerfung zu bringen, um nicht nur während des Feld- zuges gegen Limahon sich den Rücken frei von Feinden zu erhalten, sondern auch von ihnen Hilfstruppen zu erlangen. Desshalb liess man sogleich den Plan
³³) Im Angesichte Manilas hielt Limahon noch einen Kriegsrat ab, der sich gegen seinen Wunsch, Manila am andern Tage zum dritten Male anzugreifen, aussprach. Hierauf fasste der Pirat, den Entschluss, nach Ilocos sich zu begeben und dort den Versuch einer Niederlassung zu machen.
³¹) Parafsaque liegt ¾¼ Stunde von Manila entfernt. Als Salcedo erfuhr, dass die Piraten in diesem Orte gelandet wären, befürchtete er einen nochmaligen Angriff. Desshalb liess er den Raum des Barricadenforts verringern, um es besser vertheidigen zu können, da sehr viele Spanier theils durch Wunden, theils durch Brandverletzungen kampfunfähig geworden waren. In der darauf folgenden Nacht wurden die Spanier durch eine irrthümliche Meldung in Aufregung versetzt. Die aufgestellten Posten meldeten nämlich das Herannahen von mit Fackeln versehenen Chinesen. Bald stellte es sich aber heraus, dass es die farbigen Einwohner der Stadt selbst wären, welche unter Fackelbeleuchtung die Leichen der gefallenen Piraten ausplünderten.


