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Posten, vertheilte die Munition, kurz er offenbarte aufs neue seine grossen Feldherrengaben und seinen erprobten Scharfblick.
Kurz vor Tagesanbruch meldeten die Vorposten, die Piratenflotte hätte bei Cavite ihren Ankerplatz verlassen und bewege sich in der Richtung gegen Manila zu. Limahon segelte auch in der That mit seiner gesammten Armada langsam gegen Manila heran, da er erst bei hellem Tageslichte den Angriff aus- führen wollte.
Als die Sonne aufgieng, feuerte das Admiralschiff Limahons einen Signal- schuss ab, worauf sämmtliche Schiffe 3 Salven mit ihrem gesammten Geschütz auf Manila abgaben. Zum Glücke für die Spanier wussten die Chinesen schon in jener Zeit nicht ihre Artillerie zu bedienen und so that das Abfeuern all der vielen Geschütze den Spaniern keinen Schaden, es schien auch den Chinesen mehr um den Knallefect sich zu handeln. Darauf landete ein Theil der Piraten unter dem Commando desselben Siocos. ²⁹) Sioco drang auch an derselben Stelle, wie am 30. November, in die Stadt ein und zündete dieses Viertel sogleich an. Dann drangen die Chinesen in 3 gesonderten Abtheilungen gegen das Barricaden- fort vor. Sie unternahmen mehre Stürme mit einem bei Chinesen ³⁰) unerhörtem Mute. Auf der einen Seite gelang es auch den Piraten in das Innere der Barricadenfestung einzudringen, nachdem der dort commandirende Officier Ortiz gefallen war. Als die gelbhäutigen Schufte sich gegen das Haus des Gobernadors ergossen, erhoben die dort verwahrten Frauen und Kinder ein so gellendes Geschrei, dass Salcedo aufmerksam wurde und sich mit einer solchen Wucht an der Spitze einiger Pikeniere auf die Eindringlinge warf, dass in einer Minute kein lebender Chinese mehr sich innerhalb der Barricaden befand. Dieser Einbruch und dessen Vereitelung bezeichnen den Culminationspunkt des heissen Kampfes. ¹)
Die Piraten begannen von dem Angriffe abzulassen, Unordnung zeigte sich in ihren Reihen, man sah den tapferen Sioco ³²) vergebens seine Leute anfeuern — sie hatten den Mut verloren. Diesen Moment benützte Salcedo. Rasch wurden einige Kisten weggeräumt und durch die Oeffnung unternahm der junge Maestre de Campo einen heftigen Ausfall auf den schon wankenden Feind. Dieser hielt nicht Stand. Ein panischer Schrecken überfiel die Piraten, die Versuche ihrer Officiere sie zum Stehen zu bringen, waren vergeblich, in solcher Hast eilte die fliehende Masse dem Meeresstrande zu, um sich in die Boote zu retten. Salcedo liess da von der Verfolgung ab, denn noch befand sich eine Abtheilung der Piraten in der Stadt, beschäftigt mit der Plünderung und dem Niederbrennen der Kirchen, Klöster und anderen Gebäude.
Als die Piraten am Strande angelangt waren, fanden sie keine Boote vor, denn diese waren von Limahon wieder zurückbeordert worden. In einem dichten Knäuel zusammengeballt riefen die verzagenden Leute Sioco's mit gellendem Geschrei über die See dahin nach den Booten, während sie aus dem Barricaden-
²6) Man muss die Kopflosigkeit dieses als einen so unendlich kühnen und energischen Helden ver- schrieenen Limahon wirklich anstaunen, dass er trotz der Erfahrungen des 30. Novembers wieder nur einen Theil seines Heeres zum Angriffe beorderte. Auch ist es ungemein auf- fallend, warum er bei einer so wichtigen Action nicht persönlich das Commando ergriffen? Fraf Gaspar, der uns die Geschichte dieses Piratenüberfalls sehr ausführlich erzählt, gibt zwar an(pag. 284), dass ein chinesischer Brauch einem Seekämpfer untersagte, an einer Land- schlacht theilzunehmen, aber diese Erklärung kann mich nicht befriedigen, da mir ein so striktes Festhalten an heimischen Gebräuchen in einer derartigen Action und von solchen Leuten, denn doch unglaublich vorkommt. Limahon verschanzte sich ja später in Pangasinän und scheute sich da gar nicht zu Lande zu fechten!
³⁰) Es werden wol einige Landsleute Siocos unter diesen Landtruppen Limahons gewesen sein. ai) Während des Kampfes war auch ein Pulverfässchen explodirt, welches einige Spanier ver- wundete.
³²) Bald fiel er selbst und mit ihm alle Zucht und Ordnung in den Reihen der Piraten.


