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Erfindungen, sagt ein Sprichwort und so ersetzte Labezares auf eine eigen- thümliche Art und Weise die fehlenden Befestigungen der Stadt. Um das Gobernador-Haus herum, auf einem etwas offenem Platze liess er ringsum eine Art Mauer in aller Eile aufrichten, welche aus Balken, Brettern und aus mit Steinen gefüllten Kisten und Fässern bestand. Die Armirung dieses impro- visirten Forts bestand aus den vier Geschützen, welche allein sich in Manila vorfanden!
Inzwischen waren die geflüchteten Indier wieder in ihre Quartiere zurück- gekehrt. Da die Spanier noch immer im Glauben waren, ihre Angreifer wären Mauren ²⁴) aus Borneo, so misstraute man den eingebornen Manilesen sehr, indem man glaubte, sie stünden mit ihren Glaubensgenossen im Einverständniss. Desshalb liess Labezares zwei vornehme Mauren Manilas, die besonders ver- dächtig erschienen, verhaften— und bald darauf ohne jeden Process hinrichten. ²⁵) Dieser grausame, nicht zu rechtfertigende Justizmord rief unter den Eingebornen eine furchtbare Erbitterung hervor. Wenn damals in der That Mauren aus Borneo vor Manila gestanden wären, Labezares hätte kein besseres Mittel finden können, die Mauren Manilas ²⁰) in die Reihen seiner Feinde zu jagen, so aber waren es zum Glücke Chinesen, welche die Spanier angriffen und diese waren den Eingebornen ebenso verhasst wie jene. ²) So flüchteten sich die Mauren Manilas von neuem auf das rechte Ufer des Pasig. Um von den Piraten nicht. angegriffen zu werden, pflanzten sie am Flusse eine weisse Fahne auf, ihre Neutralität damit ankündigend.
Am 1. December nach Sonnenuntergang traf Salcedo in Manila ein. ²⁸) Er wurde mit einem Jubel ohne Gleichen empfangen, denn die ganze Colonie vergötterte den kühnen Helden, der in jugendlichem Alter stehend, Waffenthaten vollbracht hatte, die denen eines Cortés, eines Alvarado in nichts nachstehen. Es waren nicht so sehr die 50 Mann, die er mitbrachte, sondern seine Person, seine glänzende Tapferkeit und kluge Energie, welche den gesunkenen Mut der Spanier Manilas hoben. Jetzt, weil Salcedo da wäre, der Held von Paracale, Ilocos und Cagayän, jetzt glaubte man mit Zuversicht, dem neuen Angriffe entgegensehen zu können. Der greise Labezares umarmte ihn mit Thränen in den Augen und ernannte ihn sogleich zum Maestre de Campo.
Salcedo trat sein Amt sogleich mit den praktischesten Anordnungen an, Er verbesserte den Barrikadenwall, vertheilte die 200 Spanier jeden auf seinen
²⁴) Nach spanischem Brauch bezeichne ich in dem ganzen Aufsatze die mohamedanischen Bewohner der Philippinen und benachbarten Inseln mit dem Namen„Mauren(moros)“.
2²⁵) Fraf Gaspar p. 282.
²⁵) Im Anfange des 17. Jahrhunderts gab es bereits keine mohamedanischen Bewohner Manilas mehr. Sie wurden weder verjagt, noch durch Feuer und Schwert ausgerottet, noch auch gewaltsam bekehrt, sondern die Sache gieng viel einfacher zu: Viele liessen sich theils aus Ueberzeugung, theils um sich bei den Spaniern beliebt zu machen, taufen, die übrigen starben zwar als Anhänger des Korans, aber ihre Kinder wurden alle christlich erzogen. Man kann mit Bestimmtheit behaupten, dass alle seit 1580 geborenen Kinder getauft wurden, somit der Islam in Manila von selbst erlöschen musste, da ein frischer Zuzug von moha- medanischen Einwanderern verpönt war.
²¹) Dies gilt nur für die Zeit, wo die Bewohner Manilas, Tondos und Binondos noch dem Islam angehörten, später wurde es anders und die Tagalen zeigten sich(besonders 1762— 63) als getreue Anhänger der spanischen Herschaft.
²8) Salcedo langte am 30. November(demselben Tage, wo Sioco Manila angriff) vor der Corregidor- Insel an, welche bereits Limahon verlassen hatte. Von einem indischen Fahrzeuge erfuhr er, dass die Piraten bei Cavite sich befanden. Desshalb segelte er in der Nachtzeit längs der Westküste der Bai von Manila, bis er die Stadt am Abend des folgenden Tages erreichte. Als er in Manila einfuhr, liess er alle Trompeten schmettern und eine Menge von Laternen und Lichtern anstecken, damit die in Cavite liegenden Piraten glaubten, die Spanier hätten eine namhafte Verstärkung erhalten.


