Aufsatz 
Die Chinesen auf den Philippinen. Eine historische Skizze
Entstehung
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einer andern Seite her, hätten die Spanier nichts zu fürchten. Aber schon drangen durch das seinem Hause benachbarte Thor die Piraten unter wüstem Geschrei ein und warfen sich sogleich auf Goytis Wohngebäude. Die Ehren- wachen des Maestre de Campo griffen zu den Waffen, der kranke Goyti selbst, sprang sofort aus dem Bette, warf über sein Hemd nur einen Kettenpanzer und nahm Schild und Schwert zur Hand, um sein Leben so theuer wie möglich zu verkaufen. Die Gemalin desselben, Dona Lucia, gab wieder ein glänzendes Zeugnis jenes heroischen Mutes, wie er den spanischen Frauen in den Tagen der Gefahr eigen ist, indem sie, ausgesetzt den Geschossen der Barbaren, aus dem offenen Fenster auf sie herabschrie:Nur heran, heran ihr Hunde, um euren Tod zu finden. Diese aber legten Feuer an das hölzerne Haus an. Goyti wollte mit seinen Leuten durch ein Fenster sich retten, aber die Piraten stürzten sich auf sie und metzelten sie alle nieder, nur ein einziger entkam. Das ganze war das Werk weniger Minuten gewesen.

Inzwischen hatten die meisten Eingebornen Manilas sich aus der Stadt auf das andere Ufer des Pasig geflüchtet, um von hier aus schadenfroh dem Untergange ihrer christlichen Herren zuzusehen. Labezares der Gobernador, der am anderen Ende des nur sporadisch mit Häusern besetzten spanischen Viertels wohnte, wurde erst durch das Geknatter aufmerksam, dass Feinde in die Stadt eingedrungen wären. Schon stand das Haus des Maestre de Campo in hellen Flammen. Labezares sammelte rasch ein Häuflein Spanier, die durch den Lärm aus dem Schlafe geweckt worden waren und eilte dem Feinde entgegen. Dieser hatte unterdessen sich geordnet, in drei sichelförmigen Reihen(die erste und dritte mit Lanzen, die mittlere mit Gewehren und Streitäxten bewaffnet) rückte er vor. Mit fürchterlicher Wucht stürzten die Piraten sich auf das Häuflein. Die Spanier gerieten in grosse Bedrüngniss, denn sie konnten ihre Musketen nur ein einziges Mal abfeuern, indem sie dann so Mann an Mann kämpfen mussten und auf einen so engen Raum zusammengedrängt wurden, dass sie ihre abgefeuerten Gewehre nicht mehr laden konnten. Schon lagen 8 der Tapferen erschlagen am Boden, als plötzlich der Cap. Velazquez und die Officiere Arriaran und Ramirez mit dem Reste der in Manila befindlichen Spanier ²²) die Piraten im Rücken überfielen. Sioco, im Glauben von einer grösseren Macht angegriffen zu sein und in der Furcht von seinen Booten abgeschnitten zu werden, liess seine Leute den Rückzug antreten und schiffte sich wieder ein. Wer weiss, wie die Sache sich gestaltet hätte, wenn Sioco Stand gehalten hätte. Das eine ist aber unumstössliche Wahrheit, dass wenn Limahon, statt Sioco mit. einer Abtheilung seiner Armee zu schicken, selbst mit seiner ganzen Macht auf Manila geworfen hätte, die Stadt in wenigen Stunden seine Beute geworden würe und es ist sehr fraglich, ob es dann den Spaniern jemals wieder gelungen wäre, ihn aus der erroberten Position zu vertreiben. Denn alle Indier würden dann gewiss die Spanier verlassen haben.

Labezares ahnte es, dass ein zweiter Angriff nicht ausbleiben würde und so schickte er Boten über Boten an die in der Umgegend Manilas wohnenden Spanier, die sich auch vollzählig in der Stadt einfanden, so dass die Zahl der Spanier sich auf 150 erhöhte. Unbegreiflicher Weise verweilte Limahon zwei Tage unthätig vor Cavite. ²*) Dies war die Rettung Manilas und die Spanier wussten auch jede Minute aufs beste auszunützen. Not ist die Mutter der

²²) Es waren dies im Ganzen 20 Mann.

²3) Sioco fand auf seinem Rückzuge seinen Chef in dem später so berühmt gewordenen Kriegs- hafen Manilas Cavite wo aber dazumal nur eine indische Niederlassung sich befand. Obwol Sioco sich erbot mit frischen Truppen von neuem die Spanier anzugreifen, so verschob dennoch Limahon den Angriff auf den dritten Tag.