Aufsatz 
Die Chinesen auf den Philippinen. Eine historische Skizze
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

rächen könnte, so wartete er erst nicht den Zeitpunkt ab, wo alle in Ilocos zerstreuten Spanier sich in Bigan sammeln würden, sondern schiffte in aller Eile mit 50 Spaniern sich ein, um die Piraten womöglich zu überholen und Manilas schwache Besatzung zu verstärken.

Inzwischen war am 29. November 1574 Limahon vor der Corregidor-Insel angelangt, welche den Eingang in die geräumige Bai von Manila beherrscht. ¹⁷) Hier liess Limahon die beiden Spanier vor sich kommen, welche ihm, wie oben erwähnt, bei Bigan in die Hände gefallen waren. Durch die portugiesischen Dolmetscher liess er sich von jenen bestätigen, dass Manila unbefestigt und ohne schwere Geschütze wäre. Der Chinese schwebte offenbar an dem Vor- abende des entscheidenden Tages in grosser Angst vor einer Niederlage. Seine Furcht vor dem in ganz Ostasien bekannten Heldenmut der Spanier muss eine ungemein grosse gewesen sein, denn ihm genügten die blossen Aussagen der Gefan- genen nicht, er liess sie vielmehr noch foltern, ¹s) um die volle Gewissheit sich zu verschaffen. Dann begann er sogleich die Anstalten zur Ueberrumpelung Manilas ¹³) zu treffen.

Dem kühnsten und verwegensten seiner Capitäne mit Namen Sioco ²⁰) trug er auf, den ersten Angriff auf die kleine spanische Niederlassung zu eröffnen. 600 ausgesuchte Leute wurden auf Schiffsbooten eingeschifft und ruderten mit dem Eintritte der Dämmerung in die Bai von Manila, um vor dem Anbruch der Morgendämmerung die Stadt zu überfallen. Diese Theilung der Streitkräfte ist unbegreiflich und kann nach meiner Ansicht, nur aus der Furcht erklärt werden, welche Limahon vor der Tapferkeit der Europäer hatte.

Gott wollte nicht den Untergang der Spanier, denn ein kräftiger Nordwind erhob sich und fegte über die Bai dahin, Siocos Vordringen wurde dadurch bedeutend gehemmt und der junge Tag überraschte ihn noch fern von Manila. Da glaubte er Manila auf einmal vor sich zu haben und landete seine Truppen, aber es war nur der Flecken Parafiaque. Als Sioco seinen Irrthum gewahrte, setzte er seinen Zug nach dem nur kurz entfernten Manila fort. Erst nahe vor der Stadt wurden die Piraten von einigen Indiern bemerkt, diese stürzten mit dem Rufedie Mauren von Borneo ziehen gegen die Stadt ²¹) durch die nächsten Gassen. Man eilte in das Haus des Maestre de Campo der Colonie, des tapferen Goyti. Dieser lag fieberkrank im Bette. Als man ihm die Meldung machte, verlachte er sie, indem er sagte, jetzt seien noch nicht die südlichen Monsune eingetreten, mit denen allein die Borneaner kommen könnten und von

¹7) Trotz dieser schwerwiegenden Bedeutung blieb sie lange Zeit von den Spaniern ganz unbe- achtet und wurde erst spät und da ungenügend militärisch besetzt, selbst in jenen Zeiten, wo die Piraten von Suluh und Mindanao ihre Streifzüge bis in die Bai von Manila ausdehnten. Man vergleiche hierüber: Wilhelm Dampier. Neue Reise um die Welt. Leipzig 1708. Le Gentil. Voyage dans les mers des Indes. Paris 1797. La Perousens Ent- deckungsreise in den Jahren 1785 1788. Herausgegeben v. M. C. A. Milet-Mureau. Aus dem Französischen übersetet und mit Anmerlungen begleitet von J. R. Forster und C. L. Sprengel. Berlin und Hamburg 1800.

¹s) Fray Gaspar pag. 280. Hierauf liess sie der Barbar abschlachten!

¹⁰) In Manila hatte man noch immer keine Ahnung von der furchtbaren Gefahr, weil die Chinesen alle Schiffe, die ihnen begegneten, kaperten. Auf dem Landwege aber den Succurs Manila zu bringen, war abgesehen von der Bodenbeschaffenheit und dem absoluten Mangel an Strassen bei den damaligen politischen Verhältnissen nicht zu denken.

²⁰) Er war ein Japanese und zeigte bei diesem Vorfall jene Tapferkeit, welche seiner Nation eigenthümlich ist und die in Nichts jener der Europäer nachsteht, während sonst alle Ost- asiaten sich durch einen gewissen Grad von Feigheit auszeichnen.

²¹) Die mohamedanischen Bewohner von Borneo(Mauren von den Spaniern genannt, so wie alle Moslim Ostasiens) waren als Piraten berüchtigt, obwol in späterer Zeit erst ihre Züge verheerender wurden. Damals aber fürchteten die Spanier, die Mauren von Borneo vädan kommen, um ihre Glaubensgenossen in Manila vom christlich-spanischen Joche zu efreien.