Aufsatz 
Die Chinesen auf den Philippinen. Eine historische Skizze
Entstehung
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Hauptstadt der Colonie verlegen könnte,¹⁵) zugleich wurde ihm die Eroberung jener Küste der Landschaft Cagayän aufgetragen.

Als der kühne Conquistador diese Depeschen erhalten hatte, machte er sich sofort daran, dem Auftrage mit gewohnter Energie nachzukommen. Er begann sogleich Truppen zu sammeln, was nicht so leicht war. Denn die meisten Spanier, die mit ihm nach Ilocos gekommen waren, hausten weit von einander zerstreut auf ihren Encomiendas(Lehensgütern). ¹⁶) Er schickte desshalb Boten an die einzelnenEncomenderos und begann Lebensmittel auf seiner eigenen Encomienda Sinayt aufzuspeichern, wo die Aufsicht sein wackerer Lieutenant Saavedra führte. Salcedo schickte nun ein Boot mit 20 Spaniern und Indiern nach Sinayt, um einen Theil dieses aufgehäuften Proviantes nach Bigan-Fernandina zu bringen. Dieses Fahrzeug blieb verschollen. Erst später erfuhr man, dass dieses Boot mitten unter die Armada des Limahon geraten war, wobei die ganze Mannschaft mit Ausnahme zweier Leute den Tod fand.

Salcedo beschäftigte sich indessen noch immer mit dem Ausbau der Villa de Fernandina, als einige Soldaten, die sich an der Mündung des Rio de Bigan befanden, auf der hohen See eine ungeheuere Anzahl grosser Schiffe bemerkten, die augenscheinlich gegen die Flussmündung zu steuerten. Sie eilten sogleich nach Fernandina und meldeten es Salcedo, der sofort zum Gestade sich begab und sich durch den Augenschein von der Richtigkeit der Meldung überzeugte. Die indischen Einwohner von Bigan verloren sogleich allen Mut und verliessen ihre Häuser, um sich in die Berge zu retten, so blieben die Spanier allein ohne weitere Unterstützung zurück. Salcedo verlor nicht einen Augenblick seinen kühnen Mut und seine Kaltblütigkeit. In der grössten Eile wurden die Festungs- werke einigermassen in Vertheidigungszustand gesetzt und an der Flussmündung ein Erdwall aufgeworfen und armirt. Die grosse Flotte lag unbeweglich(es war Winadstille) in der Höhe Bigans. Während Salcedo diese Arbeiten beauf- sichtigte, kam in einem kleinen Nachen ein zum Tode erschöpfter Soldat an, der einen Brief Saavedras aus Sinayt brachte, in welchem die Ankunft einer grossen Flotte gleichfalls signalisirt wurde, welche an den Küsten die indischen Dörfer verwüstet hatte. Aus diesem Briefe wurde es klar, was ohnehin die Mutmassung aller gewesen war, dass diese grosse Armada nur Feindseligkeiten im Schilde führe. Während die Spanier mit dumpfer Resignation dem Angriffe entgegensahen, begann eine frische Brise zu wehen. Die grosse Armada verlor da ihre Unbeweglichkeit: die Segel blähten sich und ein Schiff nach dem andern begann seinen Lauf nach Süden zu nehmen. Jetzt erst konnte man die ganze Grösse der feindlichen Flotte ersehen und Salcedo erkannte alsbald, dass eine sogewaltige Seemacht unmöglich es auf Indier bloss abgesehen hätte, offenbar nahm diese Armada ihre Direction nach Manila.

Sobald Salcedo diesen Schluss gezogen hatte, schickte er sofort drei kühne und erprobte Spanier in einem kleinen Boote ab, welche Manila von der dräuenden Gefahr benachrichtigen sollten. Diese Botschaft gelangte aber nicht bis auf ihren Bestimmungsort, denn auf der Fahrt wurden die 3 Spanier von Limahons Flotte bemerkt und gehetzt, so dass sie wieder nach Bigan zurückkehren mussten. Da Salcedo einsah, dass jede verlorene Sekunde sich fürchterlich

¹5) Fray Gaspar pag. 276:por lo qual tenia el Governador intento de poner alli la Corte de todas las Islas, por ser mas acomodado puerto(el Puerto de Cagayän) para la salida y entrada de las Naos, por estar en Mar abierto y sin los accidentes y peligros, que se expe- rimentaban, por la dificultad del Puerto de Manila....

¹3) Ausser F. Jagor hat auch Dr. C. Semper in seinem trefflichen Werke: Die Philippinen und ihre Bewohner. Würeburg 1869 einige werthvolle Notizen über diese Encomiendas und es ist nur lebhaft zu bedauern, dass der berühmte Würzburger Forscher in jener Arbeit die Chinesen nur stiefmütterlich bedacht hat.