Aufsatz 
Die Chinesen auf den Philippinen. Eine historische Skizze
Entstehung
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nichten. Dieser fühlte, dass seine Stunde geschlagen hätte und zog sich mit seiner aus 95 Dschunken bestehenden Flotte nach der kleinen Insel Tacootican zurück. Aber er musste sich sagen, dass auch dort für ihn kein sicherer Zufluchtsort wäre, es war ihm klar geworden, dass er zum Schauplatze seiner künftigen Thaten eine von China entfernte Region sich aussuchen müsste und dies sollten die Philippinen sein.

Limahon hatte nämlich in der Nähe Tacootican's eine chinesische Handels- dschunke aufgegriffen, die von Manila kam. Die Bemannung erzählte ihm von dem Reichtume Manilas, von der ungeschützten Lage der Stadt ¹⁰) und der geringen Zahl der Spanier, ¹¹) die sich dort befanden. Da fasste er rasch den Entschluss Manila zu erobern und seine Herschaft über die gesammten Philippinen auszudehnen. Es sollte eben kein Beutezug eines Piraten werden, Limahon wollte vielmehr einen chinesischen Staat auf Manila gründen, dessen König er selbst werden wollte. ¹²) Der Plan war nicht so übel ausgedacht und Limahon verlor auch nicht viel Zeit, um ihn auch auszuführen.

Mit grosser Umsicht wählte er aus seiner Flotte 62 ¹³) der besten Fahr- zeuge heraus, die er mit den tüchtigsten Matrosen bemannte, zu diesen kam noch ein Corps von 2000(Fraf Juan Concepcion 1. Bd. p. 426) erprobter Soldaten, so dass abgesehen von dem 1500 Weiber umfassenden Harem Limahons gegen 10.000 Mann sich einschifften. Der Pirat armirte diese Schiffe mit seiner gesammten schweren und dem grösseren Theile der leichten Artillerie, so dass diese Zurüstungen furchtbar zu nennen sind, wenn man die ungeschützte Lage der Stadt, die geringe Zahl der Spanier und die unzuverlässliche Gesinnung der damals noch mohamedanischen Einwohner Manilas in Erwägung zieht. Im Herbste 1574 brach dann diese grosse Armada ¹⁴) auf, nachdem der Rest der Piratenflotte sammt Bemannung und Kriegsmaterial gleichsam als Depot auf der Insel Bauzan zurückgelassen worden war.

Auf den Philippinen hatte man keine Ahnung von der drohenden Gefahr, man war im Gegentheile sorgloser denn je, denn die Eingebornen fügten sich mehr oder minder willig dem spanischen Joche und selbst die Moslim von Manila und Tondo schienen aufrichtige Freundschaft zu den christlichen Herren zu fühlen. Die Spanier breiteten sich über die ganze Insel Luzon aus und schwächten dadurch die Macht ihrer Hauptstadt. Besonders viele Arme erfor- derte die Unterwerfung der vulkanreichen Halbinsel Camarines und die Besitz- nahme von Ilocos. Letztere fand durch den Helden Don Juan de Salcedo, den Cortés der Philippinen wie ihn Jagor treffend nennt, statt. Salcedo war gerade mit dem Ausbau der von ihm begründeten Stadt Fernandina(Bigan) beschäftigt, als er vom Gobernador Labezares den Befehl erhielt, die Nordküste von Luzon zu besuchen und dort einen Hafen aufzufinden, wohin man die

¹⁰) Manila war in der Zwischenzeit abgebrannt und dabei waren die hölzernen Festungswerke vernichtet worden. Man hatte in der Stadt zwar die Häuser und Magazine aufgebaut, die Herstellung der Befestigungen war aber noch gar nicht in Angriff genommen worden.

¹1¹) Es gab damals nur 60 Spanier in Manila(Buaeta 1. pag. 90), da die meisten von ihnen abgesehen von den in den Bissayern zerstreuten theils in Ilocos unter Salcedo, theils unter Chaves in Camarines sich befanden.

¹²) Frag Gaspar pag. 279.

¹3) Don Cläudio Montero gibt in seinenConferencias sobre las Islas Filipinas(Boletines de la Sociedad geogräfica de Madrid, tomo 1⁰, nüm. 4. pag. 314) die Zahl von 90 Champanen an. Dies ist offenbar eine leicht erklärliche Verwechslung mit der ungefähren Stärke der gesammten Kriegsmacht Limahons. Renouard de St. Croiæ gibt(pag. 178) die Zahl der Landungstruppen auf 4000 an, was offenbar zu hoch gegriffen ist.

¹¹) Auf derselben befanden sich auch mehrere Portugiesen aus Macao, die als Dolmetscher dienen sollten.