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war kein Pizarro, Legazpi war vielmehr ein Las Casas in Panzer und Helm. Desshalb schützte er jene Schiffbrüchigen vor der Raubsucht der Mindoros, gab ihnen Gelegenheit ihr Schiff wieder seetüchtig zu machen und unterstützte sie nach jeder Richtung hin.²) Ja Legazpi that noch mehr. Er zwang die Bewohner Mindoros das geraubte Schiffsgut wieder zurückzustellen und löste mit eigenem Gelde alle chinesischen Sclaven aus, welche die Mindoros bei Schiffbrüchen erbeutet hatten. ⁰)
Dieser hochherzige Act des spanischen Conquistadors blieb nicht ohne Folgen. Die geretteten Chinesen verbreiteten bei ihrer Ankunft im Vaterlande den Ruhm ihrer Retter, so dass die Nachricht selbst bis zu den Ohren der kaiserlichen Regierung gelangte. Diese gestattete im Hinblick auf den Edelmut der Spanier den Chinesen mit jenen Handel zu treiben. Im März 1572 bereits erschienen drei chinesische Dschunken in der neuen spanischen Stadt Manila und wenige Wochen später folgten zwei weitere. Es war dies zwar nur eine geringe Zahl von Schiffen, wenn man erfährt, dass kaum zwei Jahrzehente später alljährlich 30— 40 Dschunken in Manila anlangten, aber um so freudiger wurden sie von Legazpi empfangen, denn dieser strebte mit allem Eifer darnach durch regen Handel mit China den Reichtum der Colonie zu heben. Daher wurden die chinesischen Kaufleute mit grosser Zuvorkommenheit behandelt. Die schlauen Chinesen merkten bald, dass die Spanier ihre Waaren?) mit grosser Gier kauften, so verkauften sie denn nun ihnen ein und dieselben Waaren zu einem viel höheren Preise als den Eingebornen. Natürlich wollten die Spanier von einem solchen doppelten Tarif nichts wissen, aber Legazpi setzte es doch durch, dass dieser Doppeltarif in Geltung blieb, so ängstlich war derselbe bemüht, die Chinesen an den Markt von Manila zu fesseln. Und in der That ist es der Handel mit China einzig. und allein gewesen, welcher den Spaniern auf den Philippinen durch drei Jahrhunderte hindurch Profit abwarf, denn auf den unerschöpflichen Reichtum, der in den zahllosen Boden- producten dieser herrlichen Inselgruppe steckt, sind erst die Spanier unseres Jahrhunderts aufmerksam geworden.
Manila wurde durch die kluge Weisheit Legazpis der Centralpunkt des Austausches europäischer und chinesischer Waaren, dem das Aufblühen der holländischen Seemacht wol einen bedeutenden aber doch nur vorübergehenden Schaden zufügen konnte. Erst im 18. Jahrhunderte verlor der chinesisch- spanische Handel seine frühere Bedeutung.
Um die Handelsbeziehungen zwischen China und Manila noch enger zu knüpfen, schickte er Geschenke und Briefe an die Vicekönige der chinesischen Küstenprovinzen ab, doch gelang es ihm nicht, die Aufnahme von Spaniern in China zu erwirken.8) Trotz dieser regen Handelsbeziehungen scheint Manila in der Zeit von 1572— 1574 noch keine bleibende chinesische Niederlassung besessen zu haben, wie dies in den späteren Jahren bis auf unsere Zeit der Fall war. Die chinesischen Kaufleute schlugen eben wol ihre Buden in Manila auf, verliessen aber die Stadt wieder, sobald der südliche Monsun wehte, um nach China zurückzusegeln. Ich will nicht abstreiten, dass einzelne chinesische Krämer schon damals in Manila auch über den Winter zurückgeblieben sein können, aber von einem chinesischen Stadtviertel(Parian) schon damals sprechen
³) Buzeta" Bravo. Diccionario geogräfico, estadistico, histérico de las Islas Filipinas. Madrid 1850. 2. Bd. p. 335.
) Fraf Gaspar p. 224.
¹) Es waren dies: Damast, Seide, Baumwollstoffe, Eisen und Porzellan.
³) Man vergleiche: Buzeta 2. Bd. p. 287, Fraf Gaspar p. 252 und Frag Antonio Mozo. No- ticia histõrico natural de las missiones de Philipinas de la Orden de nuestro Padre San Augustin. Madrid 1765. p. 153.


