Aufsatz 
Die Chinesen auf den Philippinen. Eine historische Skizze
Entstehung
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I.

Es ist ohne allen Zweifel, dass Jahrhunderte vor der Ankunft der Spanier die Chinesen mit den Bewohnern der Philippinen einen lebhaften Handelsverkehr unterhalten haben. Insbesondere war es der bei den Chinesen so hochgeschätzte Trepang, sowie Perlmutter und Schwalbennester, welche von den Söhnen des Reiches der Mitte eifrig gesucht wurden, wogegen sie den Eingebornen Seide und Porzellan brachten. Auch Baumwolle wurde von ihnen gekauft, denn die Bewohner von Cagayän erzählten 1572 dem Cap. Juan de Salcedo, dass ihre Baumwollwaaren(hauptsächlich Gewebe) alljährlich von chinesischen und japa- nesischen Kauffahrern geholt würden. ²) Doch muss sich der Besuch der chine- sischen Händler vornehmlich aùuf Luzon, die Hauptinsel der Philippinen, beschränkt haben: denn als Legazpi 1565 in den Bissayern ³) eine malaische Praue aus Borneo kaperte, da erfuhr er von der gefangenen Bemannung, dass Kaufleute aus Borneo von den Chinesen und Eingebornen Luzons chinesisches Kupfer und Porzellan, sowie Gongs einkauften, um sie dann gegen Landesproducte in den Bissayern umzutauschen.¹) Dass in der That chinesische Kauffahrer nur Luzon und dessen nächsten Nachbarinseln besuchten, beweisst am besten der Umstand, dass die Spanier erst 1571 bei der Besitznahme Manilas mit den Chinesen in Berührung kamen. Gewiss würde sich eine Notiz bei den Geschichtsschreibern der Philippinen erhalten haben, wenn die Spanier in der Zeit von 1565 1571, wo sich ihre Herschaft nur auf die Bissayer beschränkte, auf irgend einer der zahlreichen Inseln dieses Archipels Chinesen getroffen hätten.

Zum erstenmal begegneten sich Spanier und Chinesen im Jahre 1571. Als nämlich Legazpi von Panay aus mit einer Flotte von 27 Fahrzeugen seinen berühmten Siegeszug nach Manila unternahm, stiess er bei Mindoro auf eine schiffbrüchige chinesische Champane. Die Bemannung dieses Fahrzeuges befand sich in einer schlimmen Lage, denn die Bewohner von Mindoro pffegten sich stets der Ladung eines gestrandeten Schiffes zu bemächtigen und deren Equipage zu Sclaven zu machen. Legazpi bewies aber auch diesmal, wie immer, den ritterlichen Sinn seiner grossen Nation. Schon von dem Augenblicke an, wo dieser spanische Held den Oberbefehl über diese Expedition erhalten, hatte er es sich zur Aufgabe gestellt, mit den Eingebornen vor allem friedlichen Verkehr zu pflegen und zu den Waffen nur als zur ultima ratio zu greifen. Legazpi

²) Fray Gaspar de S. Augustin. Conquista de las Islas Philipinas. Madrid 1698. pag. 267. ³) Die Inselgruppe zwischen Luzon und Mindanao, von den SpanierVisayas genannt, benenne ich, wie oben,Bissayer im Anschlusse an die Bezeichnungen der Stieler'schen Karten.

¹) Frag Gaspar p. 95 und f. 1*