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sich höchstens einer verwandten Zunft angliedern. Wenn um- gekehrt ein Gewerbe, dessen Meister wegen ihrer geringen Zahl ursprünglich an eine andere Zunft angeschlossen gewesen waren, einen Aufschwung erlebte und so ſdie Meisterzahl sich mehrte, so benutzten sie jede Gelegenheit, sich von der Sammelzunft zu trennen und selbst eine Zunft zu gründen. Daher gibt uns die Gruppierung der Gewerke in den Zünften auch einen Maßstab für die jeweilige Blüte oder den Rückgang der einzelnen Gewerbe in Bingen. Wir lassen darum hier eine kurze Zusammenstellung folgen. Für das Jahr 1488 ist die genannte Zehnzahl der Zünfte gegeben: Bäcker, Metzger, Faßbender. Schmiede, Schiffer, Gerber, Seiler, Schneider und Tuchscherer, Wollen- und Leineweber, Schuhmacher und Altruessen. Im Jahre 1535 ¹ und folgende sind bezeugt: Bäcker, Metzger, Faßbender als Einzelzünfte, wozu zweifelschne auch noch die Schiffsleute hinzukommen. Die Schmiedezunft hat sich zur Sammelzunft erweitert und umfaßt damals auch die Messerschmiede, Kanthengießer, Schlosser, Schreiner, Spengler, Leyendecker, Gürtler, Sporer, Satler, Zimmerleuth, Meurer, Glaser, Dreher, Goldschmit, Armbroster, Kupferschmit, Wagner, Weißbender, Buchsenmacher, Haffner. Die Schuhmacherzunft hat die Löhler(Lohgerber), Lederschmierer und weyssgerber mit aufgenommen, und die Schneiderzunft zählt jetzt in ihren Reihen auch die Seckler, Kursner, Huettmacher und(Tuch-Scherer. Das Seilerhandwerk scheint in dieser Zeit wenig oder garnicht betrieben worden zu sein, oder es bestand wenigstens damals keine Zunft. Denn erst am 13. Februar 1560 wird für die Seiler die Erhebung des Zunftgeldes angeordnet.“— Das Ratsprotokoll vom 10. November 1 661 berichtet uns:„Damahls seindt Samptliche Zünfften in erwegung ihrer disordre durchgangen, vndt einerjeden Zwehn Rhattsfreundt zu Vermeidung allerhandt incon- venientien vndt inplantzung guter Sitten vndt Einigkeit zugegeben worden.“ Wir befinden uns also schon in der beginnenden Ver- fallzeit des Zunftwesens. Es werden als bestehende Zünfte ge- nannt: Bäcker, Metzger, Faßbender, Fischer und Ferger(Schiffs- leute), Leinweber, Schuhmacher, Schneider. Zur Schmiedezunft zählen jetzt nur noch Schlosser und Wagner, während die vorher auch damit vereinigten Zimmerleut, Leyendecker, Schreiner, Weißbender, Mäurer sich losgelöst und eine eigene Zunft auf- getan haben, die bald unter der Bezeichnung Zunft der Werk- leute oder Bauzunft erscheint. Die Seilerzunft von 1560 ist in- zwischen wieder verschwunden. Das Jahr 1694 zeigt uns von Veränderungen gegenüber 1661 nur, daß sich die Schreiner als selbständige Zunft von der genannten Bauzunft abgetrennt haben. Auffallend ist, daß trotz des langsamen aber unaufhaltsamen Verfalls der Zunftherrlichkeit noch das ausgehende 17. und das 18. Jhdt. Neugründungen von Zünften bringen. Von der Ursache dieser eigenartigen Erscheinung wird später noch die Rede sein. Seit 1696 hat Bingen auch eine Müllerzunft, die aber nicht von langer Dauer gewesen zu sein scheint, wenigstens wird sie nach 1698, soweit wir sehen, nicht mehr genannt. Eine Zusammen- stellung von 1 730 bringt uns neben den alten Zünften der Bäcker, Metzger, Faßbender, Schuhmacher, Schneider und den jüngeren der Werkleute und der Schreiner, die wiedererstandene
1. Anhang z. d. R. Prot. 1535 ff. 2. R. Prot.


