Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt.(Iphigenie)
Nachdem F. Otto, gestützt auf gründliche eigene Studien, in seinem trefflichen Büchlein„Das deutsche Handwerk in seiner kulturgeschichtlichen Entwicklung t“„die gesicherten Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung auf dem Gebiete der Geschichte des deutschen Handwerks einem weiteren Leserkreise in gemein- faßlicher Form dargeboten hat“, könnte es manchem überflüssig erscheinen, dies Gebiet in einer Arbeit zu betreten, der allein schon durch die Rücksicht auf den verfügbaren Raum engere Grenzen gezogen sind. Daraus ergibt sich,— um das von vorn- herein festzustellen,— daß es nicht der Zweck der folgenden Zeilen sein kann und auch gar nicht sein soll, neue Ergebnisse aus der Zunft- und Handwerksgeschichte zu bringen. Sie wollen einfach als Beitrag zur Lokalgeschichte gelten und das zusammen- fassen, was sich auf Grund des nur lückenhaft erhaltenen Materials über die Geschichte des zünftigen Handwerks in Bingen im Licht jener allgemeinen Entwicklung sagen läßt?. Solche Beiträge aber dürfen wohl nicht nur ohne Weiteres auf das Interesse der Freunde der Lokalgeschichte rechnen, sondern sie können vielleicht auch im Dienst der Schule nutzbar gemacht werden, weil sie es ohne mühselige und zeitraubende Vorarbeit ermöglichen, wichtige Fragen der allgemeinen Geschichte an der Heimatgeschichte, d. h. an näher liegendem und darum auch leichter haftendem Stoff zu besprechen und zu erläutern.
Die Erinnerung an jene Zeiten, in denen das Wort vom Strasennamen „goldenen Boden“ des Handwerks geprägt wurde, in denen jeden-“ Kandwerker falls das Handwerk im engeren und eigentlichen Sinn innerhalb der Städte noch eine ganz andere und wichtigere Rolle spielte als heute, klingt auch in den meisten kleineren Städten, wo nicht wie z. B. in Augsburg, Straßburg oder vor allem in Nürnberg die Glanzleistungen deutschen Handwerks noch heute den Enkel staunen machen, bis in die lebendige Gegenwart hinein fort in manchen Straßennamen. Für Bingen kommen folgende in Betracht: Schmittstraße(Gasse der Schmiede 1398 ³, Smyddegasse 1407 ¹), Beuchergasse, Badergasse, Scharngasseö, Loergasse(Lauergasse 1412, Lauwergasse 14937), Gerbhausstraße. Im Jahre 1569 wird auch noch eine Webergasses genannt. Die Küfer scheinen in der Salz-
1. Hier für die allgem. Ausführungen zu Grunde gelegt.
2. Daß auch nach den Ausführungen von Weidenbach im Rhein. Antiquarius II. Abt. 20. Bd. p. 383 ff.(1871) eine Neubearbeitung dieser Frage nicht überflüssig erscheint, dürfte ein Vergleich unschwer ergeben.
3. Weidenbach, Regesten der Stadt Bingen.(W. R.) Nr. 377. 4. W. R. Nr. 405 5. W. R Nr. 614 erwähnt neben Scharen die Herrgottscharen. 6. W. R. Nr. 413. 7. W. R. Nr. 563. 8. W. R. Nr. 528 und 646.


