Aufsatz 
Studien und Kritiken zur lateinischen Syntax : 2. Teil
Entstehung
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nunc te patria, quae communis est parens omnium nostrum, odit ac metuit. Die Annahme der Möxlichkeit in diesem Satze ist die reine Willkür. Man fragt sich vergeblich, wozu denn der Konj. Präs. da ist, wenn der des Imperfekts das wieder- geben soll, was M. mit den Worten einleitetich nehme einmal als möglich an. Nun aber kommt das Ueberraschendste, die Frage nach der Zeitstufe wird einfach durch Autorität ent- schieden: Also ein Potentialis liegt hier vor und zwar ein P. der Vergangenheit. Und statt des erwarteten Beweises muss die Uebersetzung dienen:wenn mich meine Sklaven so ge- fürchtet hätten. Sollen wir denn etwa diesen deutschen Satz auch für einen Potentialis der Vergangenheit halten? Diese Willkür der Erklärung, die von einer einmal angenommenen Theorie aus die sprachlichen Tatsachen zwangsweise in die Theorie einpresst, zieht sich durch die ganze Abhandlung.

Aber der Hauptgrund, weshalb das angebliche Resultat der Abhandlung von vorn herein unglaublich erscheint, geht aus einem allgemeinen Gesichtspunkte hervor. Vom griechischen irrealen Wunschsatz im Ind. Impf. behauptet M. allerdings S. 136 auch wie von dem lateinischen im Konj. Impf., er habe seine präteritale Bedeutung nicht verloren. Aber hier erhebt sich eine Schwierigkeit, über die er uns erst hinweghelfen muss, wenn anders er Aussicht haben will, Anhänger seiner Lehre zu gewinnen.

Wir haben ja doch denselben Prozess der Entwicklung im Deutschen und Französischen. Es ist doch sicher, dass der Konj. Impf. im Deutschen ursprünglich Präteritalbedeutung hatte, und dass in Bedingungs- und Wunschsätzen heute auch keine Spur von Präteritalbedeutung vorhanden ist. Das empfinden wir an unserer eigenen Sprache, hiergegen gibt es keinen Ein- wand. Und im Lateinischen sollte das wesentlich anders sein, wo bisher der Irrealis der Gegenwart eine von allen Gramma- tikern anerkannte Grösse war, und wo viele Hunderte, um nicht zu sagen Tausende von Beispielen in einem unzweideutig präsen- tischen Zusammenhange uns begegnen? Aber auch im Französischen ist dieselbe Tatsache anzuerkennen wie im Deutschen. Da mein eignes Urteil hier nicht in Betracht kommt, so beziehe ich mich