— 84—
den irrealen Sinn„gewellt“ haben, sollte er wirklich den Widerspruch der Annahme mit der Wirklichkeit haben hervor- heben wollen? Musste er nicht vielmehr annehmen, dass die Unrichtigkeit der Annahme jedem seiner Zuhörer bekannt war? Wenn er die Irrealität hervorhöbe, würde ja folgender Unsinn entstehen: aber sie haben keine Furcht vor mir, und deshalb halte ich es nicht für erforderlich, mein Haus zu verlassen.“ Gleich bei diesem 1. Teil der Auseinandersetzung zeigt sich der Fehler der Methode. Gerade hier zeigen die begleitenden Umstände, von denen M. freilich nichts wissen will, dass Cicero allerdings die Irrealität des Falles hervorzuheben beabsichtigt. Denn nicht„wenn meine Sklaven mich fürchteten“ steht da, sondern wenn sie mich isto pacto fürchteten, ut le metuunt omnes cives tui. Oder meint M. wirklich, Cicero habe die Möglichkeit dieser Annahme hier ausdrücken wollen? Also nicht ein Unsinn entsteht bei Annahme der Irrealität in der Gegen- wart, sondern der einzig mögliche Sinn. Völlige Willkür aber tritt nun in dem zu Tage, was M. weiter sagt:„Hier dagegen kann Cicero doch nichts weiter sagen wollen, als: Ich nehme einmal als möglich an, dass meine Sklaven solche Furcht vor mir haben; in diesem Falle ist es möglich, dass ich glaube mein Haus verlassen zu müssen. Aus der Möxglichkeit des An- genommenen will er die Möglichkeit des Gefolgerten herleiten. Also nicht ein Irrealis, sondern ein Potentialis liegt hier vor, und zwar ein P. der Vergangenheit: wenn mich meine Sklaven gefürchtet hätten, wie dich deine Mitbürger fürchten, hätte ich nicht gezögert, wie du es tust, sondern hätte schon längst mein Haus verlassen. S. Unters. S. 128. Noch deutlicher wird die Beziehung auf die Vergangenheit in dem darauf folgenden Satze: Si te parentes timerent atque odissent tui, tu, opinor, ab eorum oculis aliquo concederes. Dies kann sich doch nur auf die Zeit beziehen, wo Catilina noch im elterlichen Hause weilte, ausserdem war damals sein Vater schon tot.“ Dies letzte Beispiel ist ganz klärlich ein Satz von all- gemeinem Inhalt. Nicht die Persönlichkeiten der Eltern sind es, die der Redner hier vorführt, sondern der Begriff der Eltern, mit dem der Begriff des Vaterlandes verglichen wird:


