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Betrachtung(S. 328)„die Tatsache, dass sich nicht nur in der Zeit zwischen Terenz und Cicero, sondern auch in der zwischen Ennius und Juvenal das Sprachgefühl der Römer hinsichtlich der Modi im grossen und ganzen gleich geblieben ist. Es er- gab sich, dass ziemlich viele Wendungen, die bisher als un- klassisch verdächtigt wurden, echt lateinisch sind, dass eine nicht unbeträchtliche Zahl von Regeln in unseren Grammatiken un- richtig gefasst ist, dass die Modusgesetze in demselben Sinne aus- nahmslos sind wie die Lautgesetze.“ Von diesem Standpunkte also ausgehend kritisiert er in der angeführten Anzeige Cauers Ausführungen S. 109 u. 110 über das Verhältnis von Poten- tialis und Irrealis und sagt:„Er geht hierbei von der bekannten Hypothese aus, dass die Scheidung des Potential und Irreal bei den Römern nicht ursprünglich sei, es vielmehr in ältester Zeit nur einen Modus der Bedingtheit gegeben habe— eben den, der jetzt als Potentialis gilt. Diese Hypothese beruht auf der landläufigen Anschauung vom Wesen des Potential und Irreal, deren Mangelhaftigkeit ich oben dargelegt habe; sie verliert also ihre Hauptstütze. Sie wird aber auch nicht im geringsten durch die gegebenen Tatsachen unterstützt. Bereits bei Plautus er- scheint der Irrealis voll ausgebildet, und die oft ausgesprochene Bebauptung, Plautus habe an vielen Stellen den Potential, wo Cicero den Irreal angewendet haben würde, ist wiederum eine Verlegenheitsbehauptung, die sich C. am allerwenigsten zu eigen machen wird; denn er tritt sonst so nachdrücklich dafür ein, dass der Sprecher je nach Stimmung demselben Gedanken eine verschiedene Form geben kann. Am qdeutlichsten aber sieht man die Unzulässigkeit, den Irrealis aus dem Potentialis herzu- leiten, gerade an dem Beispiel, das C. zur Veranschaulichung des Ueberganges anführt: qui videret, urbem captam diceret. Dies sei ursprünglich Potential der Vergangenheit gewesen, könne aber auch als Irreal der Gegenwart angesehen werden in der Bedeutung=„wer so etwas[heute] sähe, würde meinen.“ Ich glaube, eine ganz kurze Besinnung ergibt, dass dieser Satz zu allen Zeiten der lateinischen Sprache übersetzt werden müsste: qui videat, dicat.— Das Richtige ist, dass der lateinische Potential teils auf den alten Konjunktiv, teils auf den alten


