Aufsatz 
[Zur griechischen Grammatik] : über genike und dotike ptosis / [Georg] Blackert
Entstehung
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z. B. ſagen: er ward ärgerlich bei der Tollkühnheit deſſelben, und: wegen der Tollkuͤhnheit. Dieſes iſt griechiſcher Genitiv, jenes Dativ: Hrαrdernos xsf r⁴⁵ν½½ςqαᷣκι. Zwiſchen Genitiv und Dativ iſt in ſolchen Fällen, wenn Verba der Affecte ſtehen, der Unterſchied wohl nicht ſehr groß, aber doch fühlbar, und Herr K. W. Krüger gibt wieder einen Beweis von ſeiner hellen und ſichern Sprachkenntniß, wenn er das Gebiet des inſtrumentalen Dativs einengt oder aus den Grenzen Griechenlands entfernt. Den Griechen iſt das, was wir ſehr oft nur als abſtracte Idee in Gedanken haben, reales, Perſönlichkeit gewinnendes Object, wie jeder Kenner des Plato weiß; dieſer hat nichtGeſpenſter der Einbildungskraft, nicht hohle Formen der Ideen. Auch die Worte ſind den Griechen nicht bloß gedachte Schatten, wovon unſere modernen Grammatiker ſo viel träumen, ſondern lebendige organiſche Weſen, in denen ſich Materie und Form durchdringen. Zu dieſen lebensvollen Geſtalten können die Griechen der claſſiſchen Zeit in eine lebendige Verbin⸗ dung treten, bei welcher ſich ihr Herz erfreute oder betrübte. Wenn wir aber nun in das andere Gegentheil überſchlagen, die Begriffe zu materiell nehmen, und dieſelben als Inſtrumente oder Werkzeuge betrachten, ſo thun wir auch wieder zu wenig. Unter hundert Fällen, in welchen die Grammatiker den inſtrumentalen Dativ ſtatuiren, ſind durch denſelben kaum fünf richtig erklärt. Ich bemerke nur, daß an ſehr vielen Stellen unſere Präpoſitionen: bei, an, mit, den griechi⸗ ſchen Dativ nicht unrichtig ausdrücken. Freilich iſt damit nicht viel erläutert, und muß ich mir das Genauere und Ausfuͤhrlichere für die erwähntenOrientirungen vorbehalten. Daß aber in dem griechiſchen Dativ mehrere Caſus der ſogenannten indo⸗germaniſchen Sprachen zuſammen⸗ gefloſſen ſeien, wie der Gelehrte Ahrens behauptete, iſt Nichts als ein nicht unſchwer zu wider⸗ legender Irrthum. Am erſten könnte man noch geneigt ſein, in dem Dativ Reſte des Locativus zu erblicken; und doch iſt es nicht gewaltſam, auch dieſe Meinung zu beſeitigen. Vergl. Krüger Syntar§. 45, 1. A. 1 3.

Auch hier wieder muß ich Herrn Krüger's Syntar der griechiſchen Sprache citiren, nur hier mit der Bitte, den Schluß ſeines Nachwortes zum erſten Hefte des zweiten Theiles nicht in gleicher Weiſe gegen mich, wie gegen Herrn Oberſchulrath Roſt gelten zu laſſen.

Mit Tredelenburg's gelehrter Arbeit über die adlriarien wrois in den Act. soc. Gr. 1., mögen dieſe fragmentariſchen Bemerkungen über Teriun und doriehn raig nicht vergli⸗ chen werden; die Erklärungen der alten Grammatiker habe ich abſichtlich außer Acht gelaſſen. Zum Schluſſe bemerke ich nur noch, daß alſo der Genitiv das mit dem Subjecte am innigſten verbundene, auf daſſelbe nachdrücklichſt einwirkende, zu einer organiſchen Verbindung mit demſelben